Sonntag, 4. Januar 2015

Alle Tassen im Schrank? VfL Bückeburg

Guten Morgen allerseits. 2015 hat begonnen, und damit das Jahr, in dem ZEITSPIEL - Magazin für Fußball-Zeitgeschichte das Licht der Welt erblicken wird. Damit einher geht ein Verschmelzungsprozess des nordvier Fußballmagazin und des FußballGlobus von Hardy Grüne, auf dem u.a. seit längerem eine "Tassen-Like-Liga" läuft. Die hat nun nach der Rückkehr von Hardy Grüne aus Südamerika wieder ihren Betrieb aufgenommen und wird künftig auch an dieser Stelle erscheinen. Glückauf hinaus in die Welt!


Okay, ihr habt es so gewollt, hier kommt also die erste Tassengeschichte des Jahres 2015! Und damit zugleich ein fröhliches Glückauf an alle, mögen Eure Wünsche und auch der eine oder andere Traum in Erfüllung gehen, die Tabellen mit Euren Lieblingsklubs immer erfreulich ausschauen und überhaupt möglichst häufig die Sonne für Euch scheinen.

Ich selbst kämpfe nach meiner Rückkehr aus dem sommerlichen Buenos Aires/Montevideo noch ein klein wenig mit der klimatischen Akklimatisierung im winterlichen Südniedersachsen. Ähnlich wie mein Temperaturwechsel von deutlich über 30 Grad in Südamerika zu deutlich unter 0 Grad am Tag meiner Rückkehr ist auch der mit dem heutigen Tassenporträt verbundene atmosphärische Wechsel. Denn der VfL Bückeburg ist bezüglich seiner Historie, seines Stadions und seiner Fankultur um Lichtjahre von Buenos Aires und Montevideo entfernt. Nichtsdestotrotz handelt es sich um einen Verein, vor dem man seinen Hut ziehen kann und auch sollte.

Mehrfach war ich mit der Oberligaelf des RSV Göttingen 05 im Bückeburger Jahnstadion, wo zwar selten eine größere Kulisse anzutreffen war (und niemals eine zu erkennende Fangruppierung), in der aber stets eine sehr entspannte und angenehme Atmosphäre herrschte. Leckere Pommes gleich im Eingangsbereich, gepflegte Stehtraversen und ein insgesamt sehr entspannter Umgang mit unserer lauten und bunten Göttinger Fangruppe ließen die Reise ins Schaumburger Land immer zu einem entspannten Vergnügen werden. Leider mussten sich die Grün-Weißen im Sommer 2014 mal wieder aus der Fünftklassigkeit verabschieden und kämpften derzeit in der Landesliga Hannover um eine Renaissance.

Beim VfL Bückeburg handelt es sich um einen Großverein mit 18 Abteilungen, der quasi sämtliche sportliche Bedürfnisse der 20.000-Einwohner-Gemeinde rund 50 Kilometer westlich von Hannover abdeckt. Er geht zurück auf den 1912 gegründeten Ballspielverein Bückkeburg, der nach dem Zweiten Weltkrieg im Großverein TuS Bückeburg aufging, der sich seit 1947 VfL nennt. In Sachen Fußball gaben sich die Grün-Weißen über lange Zeit recht bescheiden. 1953 gelang der Aufstieg in den damaligen Oberliga-Nord-Unterbau Amateuroberliga Niedersachsen, in der sich der VfL für drei Spielzeiten halten konnte, ehe es im mehr oder weniger freien Fall bis hinunter in die 1. Kreisklasse ging.

Schon früh entdeckte der VfL die Vorteile gepflegter Jugendarbeit, und genau die steht bis heute im Zentrum der Vereinsarbeit. Auslöser war eine Finanzkrise in den 1970er Jahren, die die damalige Klubführung zur Konzentration auf die vereinseigenen Kräfte zwang. Unterstützt von einem bei der Gegnerschaft gefürchteten Kunstrasen ging es 1982 zurück in die Bezirksliga und 1984 gar in die Bezirksoberliga, die heutige Landesliga. Fünf Jahre später wurde im Bückeburger Jahnstadion der Niedersachsenpokal gefeiert und anschließend im DFB-Pokal die Braunschweiger Eintracht begrüßt, die sich bei ihrem 2:0 im (wegen des Kunstrasens) Ausweichquartier bei VfL-Rivale SV Obernkirchen reichlich mühen musste.

Über die damalige Landesliga West erreichten die Grün-Weißen 1994 die neugeschaffene Niedersachsenliga und sind seitdem mit Unterbrechungen im Landesoberhaus vertreten gewesen. Allerdings zumeist als Fahrstuhlmannschaft, die in den späten 2000er Jahren gleich viermal in Folge auf- und wieder abstieg. In Bückeburg sieht man das freilich nicht als Problem. Entscheidend ist die Nachwuchsarbeit, und da ist es zwar hilfreich, im Schlaglicht der Oberliga zu kicken, aber nicht notwendig. Und so fungierte der Klub in einer über Jahre von wirtschaftlichen Turbulenzen geplagten Oberliga als ruhender Pol und war einer der wenigen Verein in der niedersächsischen Fünftklassigkeit, von dem es quasi niemals wirtschaftlich Probleme oder Zahlungsschwierigkeiten zu vermelden gab.

Mit dieser lobenswerten Unaufgeregtheit wird es den Grün-Weißen mit ziemlicher Sicherheit auch eines Tages wieder gelingen, in die Oberliga zurückzukehren. Während die Bückeburger A-Jugend gegenwärtig in der Niedersachsenliga im Abstiegskampf steckt, liegt die Landesligaequipe der Grün-Weißen mit 33 Zählern bereits auf Position zwei und ist damit erster Verfolger von Spitzenreiter Heesseler SV, der auf 34 Punkte kommt.

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