Freitag, 3. Dezember 2010

Insolvenzticker: Sheffield Wednesday vor der Rettung

Der angeschlagene englische Drittligist Sheffield Wednesday steht vor der Rettung. Mit Milan Mandaric hat der ehemalige Besitzer des Portsmouth FC und von Leicester City den Klub erworben. Am Montag haben die „Owls“ den 8-Mio.-Pfund.-Deal bekannt gegeben.

Erst im August 2010 hatte Manadric Leicester City für rund 40 Mio. Pfund verkauft. Der 72-jährige Serbe wird nun auch seinen Posten als Vorsitzender von Leicester City niederlegen und hat angekündigt, die Schuldenlast der "Owls" in Höhe von 30 Mio. Pfund abzulösen. Der Deal muss auf der Anteilseignerversammlung am 14. Dezember noch abgesegnet werden, was als Formalie gilt. „Ich will alles in meiner Kraft stehende tun, Sheffield Wednesday wieder zu einer wirklichen Kraft im englischen Fußball zu machen“, kündigte Mandaric an.

Sheffield-Wednesday-Vorsitzender Howard Wilkinson freute sich derweil: “Ich glaube, dies ist einer der wichtigsten Tage in der jüngeren Klubgeschichte“ und sieht nun eine „schöne Zukunft“ vor dem Verein liegen

Neben Mandaric hatten sich auch eine Gruppe lokaler Autohändler sowie eine Gruppe Fans um den Verein bemüht.

Mandaric ist ein in Serbien geborener Geschäftsmann, der es nach seiner Auswanderung in die USA zum Milliardär brachte. Er war bereits Besitzer der San Jose Earthquakes (USA) des RSC Charleroi (Belgien) und des OGC Nizza (Frankreich) gewesen, als er sich 1999 dem englischen Fußball zuwandte. Von 1999 bis 2006 war der fußballbegeisterte Geschäftsmann Eigentümer des Portsmouth FC, den er zunächst in die Premier League führte und anschließend mit Gewinn an Alexandre Gaydamak verkaufte. Seit Februar 2007 war Mandaric Präsident und Mehrheitsaktionär von Leicester City. Im November 2007 wurde er bei Ermittlungen wegen Korruptions- und Betrugsverdachts zu seiner Zeit als Vorsitzender in Portsmouth festgenommen aber schon am nächsten Tag wieder entlassen.

http://news.bbc.co.uk/sport2/hi/football/teams/s/sheff_wed/9226161.stm

Mittwoch, 1. Dezember 2010

Viktoria 89 Berlin - Comeback eines deutschen Meisters


Ich bin ja hier im Fußballglobus häufig mit eher traurigen Themen beschäftigt - Stichwort "Insolvenzticker". Umso mehr freue ich mich, endlich mal eine rundherum schöne und positive Geschichte präsentieren zu können - noch dazu über einen wirklichen deutschen Traditionverein: Viktoria 89 Berlin.

Der zweifache Deutsche Meister (1908 und 1911, hinzu kommt die inoffizielle erste Meisterschaft 1894) hat sich am Wochenende mit einem 7:1 über den Lichtenrader BC die Herbstmeisterschaft in der Berlin-Liga gesichert und ist auf dem Weg in die Oberliga Nordost. Dort soll nicht zwangsläufig Schluss sein, denn die "Himmelblauen" linsen bereits ein klein wenig in Richtung Regionalliga.

Und das alles gelang ohne Brausehersteller oder Softwaremagnat! Statt dessen trumpft man auf der Friedrich-Ebert-Sportanlage in Berlin Tempelhof mit sauberer und seriöser Arbeit auf. Mit Dr. Christoph Schulte-Kaubrügger steht dem Klub ein engagierter Präsident vor (zugleich ein ausgerechnet auf das Insolvenzrecht spezialisierter Berliner Rechtsanwalt!), und der 2003 gegründete Förderverein "Tempelhofer Löwen Pool 89 e.V." umfasst inzwischen 40 Mitglieder. Man zahlt nicht nur Geld ein, sondern kümmert sich beispielsweise auch um Ausbildung- bzw. Arbeitsplätze von Vereinsmitgliedern. Damit wird man dem Klubmotto "Tradition und Zukunft" durchaus gerecht.

Hier ein Interview mit dem Viktoria-Präsidenten aus der Berliner "Fuwo":
http://www.fussball-woche.de/index.php?option=com_content&view=article&id=1385:christoph-schulte-kaubruegger&catid=85:interview-der-woche&Itemid=73

Wohin Viktorias Wege führen können, muss sich zeigen. Zweifelsohne ist das Terrain in Berlin für hochklassigen Amateurfußball enorm schwierig. Die Schicksale von Tennis Borussia und aktuell Türkiyemspor belegen das. Das Berliner Publikum für Amateurfußball zu mobilisieren ist schwierig bis unmöglich (Viktoria hatte bei seinem Herbstmeisterschaftsspiel gegen den LBC immerhin 287 Zuschauer, für Berliner Verhätnisse eine beachtliche Zahl).

Es wäre sehr zu wünschen, wenn ein Klub wie Viktoria 89, mit seiner reichen Tradition (zweiältester Klub Deutschlands) und seiner zukunftsgerichteten Arbeit, diese Crux endlich durchbrechen könnte. Wenn es gelänge, zur Nummer drei in Berlin aufzusteigen und eine "Nische" zu besetzen. So wie Altona 93 in Hamburg oder der FSV Frankfurt vor seinem Aufstieg in die 2. Liga in Frankfurt. Es könnte zugleich ein schöner Gegenpol zu den hochgepuschten Plastikklubs à la RBS Leipzig und TSG Hoffenheim (ja, ich nenne diese beiden Organisationen in einem Atemzug!) sein. Denn im Gegensatz zu Hoffenheim, wo das "Tradition seit 1899" nicht anderes als Geschichtsverdrehung ist (1899 erfolgte die Gründung der TURNverein Hoffenheim, Fußball spielt man dort erst seit 1920) darf sich Viktoria 89 mit gutem Recht den Slogan "Tradition und Zukunft" geben. Was es sicher braucht, ist langer Atem. Genau den wünsche ich den Verantwortlichen.


Einen kleinen Kritíkpunkt habe ich Dauernörgler aber doch noch: das neue Vereinswappen. Es ist einfach nur, sorry, häßlich. Dabei ist die gute alte Viktoria-Fahne doch so schön!

http://www.viktoria-berlin.de/

Dienstag, 30. November 2010

Die FIFA und ihre alte Geldmaschine

Die FIFA in Aufruhr, und ich bin sicher nicht der einzige, der sich wünscht, dass Wikileaks mal einen Blick auf die verbandsinterne Kommunikation wirft. Zu den Hintergründen der ISL-Geschichte finden sich in meiner WM-Enzyklopädie 1930-2014 (696 Seiten, 49,90 Euro, Agon Sportverlag, ISBN: 978-3-89784-380-6) übrigens zwei Artikel, die ich nachstehend mal kommentarlos aufliste:

WM 1990: Die Geldmaschine
Im April 1987 trug die FIFA Trauer und sah mit bangem Blick in die Zukunft. adidas-Chef Horst Dassler, jene Person, die laut »FIFA-News« “die Gegenwart des Sports und die Kommerzialisierung und Professionalisierung des Sports maßgeblich geprägt hat”, war im Alter von nur 51 Jahren an Augenkrebs verstorben und hatte ein Machtvakuum hinterlassen, das die FIFA in Turbulenzen zu stürzen drohte. Zur Vorgeschichte: Der vom Herzogenauracher Stammhaus mit dem Aufbau einer adidas-Dependance in Frankreich beauftragte Dassler hatte seit Mitte der siebziger Jahre ein ebenso erfolg- wie einflussreiches Imperium aufgebaut, das nur noch vordergründig mit Sportbekleidung und -geräten handelte. Wichtiger waren die Vermarktung weltweiter Sportveranstaltungen wie Olympischer Spiele und Fußball-WMs sowie der Rechtehandel. Dass-ler und die FIFA hatten 1974 zueinander gefunden. Eigentlich hatte Dassler seinerzeit Havelanges Kontrahenten Rous bei der Wahl zum FIFA-Präsidenten unterstützen wollen, war jedoch von dem Brasilianer mit der Aussicht auf lukrative weltweite Vermarktungsmöglichkeiten umgestimmt worden. Havelange und Dassler bildeten rasch ein kongeniales Duo, das sich perfekt ergänzte: Der stolze, zur Selbstinszenierung neigende Havelange, und der bescheiden, aber bestimmt auftretende, stets etwas im Hintergrund wirkende Dassler. Letzterer erkannte rasch, was für ein schlummerndes Marketingpotenzial die FIFA (und das IOC) aufwiesen und sah lange vor allen anderen, dass sie ihre guten Positionen in Zeiten des schwindenden Amateurismus und der wachsenden Professionalisierung bzw. Kommerzialisierung sogar noch weiter würden ausbauen können. Das passte perfekt zu João Havelanges Vorstellungen, denn der Brasilianer brauchte dringend Geld, um seine Wahlversprechen erfüllen zu können. Er war also durchaus bereit, den Fußball zu “verkaufen”. Dassler griff sofort zu und erwies sich anschließend als geschickter Fädenzieher im Hintergrund, der nach und nach alle wichtigen Positionen in der FIFA (und dem IOC) mit ihm “genehmen” Personen besetzte. Eine seiner “Entdeckungen” war Sepp Blatter, den er der Swiss-Timing-Longines abwarb und nach einem kurzen Einführungsseminar in der adidas-France-Zentrale im elsässischen Landersheim auf den Sessel des FIFA-Generalsekretärs bugsierte. Die entscheidenden Strukturen wurden zwischen 1974 und 1978 geschaffen, wobei als Dritter im Bunde der britische Sportrechte-händler Patrick Nally auf den Plan trat - er hatte das nötige Geld, und er hatte vor allem Kontakte. Durch Nallys Vermittlung kam beispielsweise die lukrative Verbindung zu Coca Cola zustande.


1982 schließlich kam es zur Gründung der Marketingfirma ISL (“International Sports, Culture- und Leisure Marketing AG), die im schweizerischen Luzern ansässig war und sich die Vermarktung von Großereignissen an die Fahnen geheftet hatte. ISL-“Mutter” war übrigens die Rofa-Sport Management AG - jene Firma, über die der langjährige FIFA-Generalsekretär Käser gestolpert war, ehe er von Sepp Blatter abgelöst wurde... ISL gehörte zu 51% adidas und zu 49% der Werbeagentur Dentsu, adidas’ japanischem Partner... Erster ISL-Coup war - wenig überraschend - die Vermarktung der WM 1982, ehe 1983 erstmals ein Vertragsabschluss mit dem IOC über die Vermarktung der Olympischen Spiele gelang. Das ISL-Angebot in Form von umfangreichen Marketing-Exklusivpaketen (ausschließlich für sehr solvente Firmen) kam bei den potenziellen Sponsoren ausgezeichnet an und verschaffte Dassler bemerkenswerten Einfluss und Machtfülle, die er vor allem durch persönliche Kontakte pflegte - nach Ansicht von Kritikern enthielt die ISL-Datei auch sehr persönliche Vorlieben seiner Vertragspartner... Mit Aufkommen der privaten TV-Sender erhielt die ISL-Strategie eine unerwartete Eigendynamik. Während die Sportartikelfirma adidas (also die Herzogenauracher) immer tiefer in die Krise rutschte - das Wirtschaftsmagazin »Forbes« mutmaßte im Juni 1990, das Unternehmen habe im Jahr 1989 zwei Mio. DM Verlust gemacht -, war die ISL - nach Dasslers Tod vom Schweizer René Jäggi geführt - kaum noch zu bremsen und hängte 1990 erstmals sogar die FIFA ab. “Der Chef der Sportartikelfirma adidas weiß nur zu gut, dass sein Unternehmen eine Weltmeisterschaft schon gewonnen hat - die WM im Kassieren. Über einen Umweg mit dem Kürzel ISL”, teilte der »kicker« seinen Lesern unter der Überschrift “Milliarden-Reibach” im Juni 1990 mit. Auf rund 300 Mio. sFr schätzte derweil »Forbes« die ISL-Einnahmen allein im Zusammenhang mit der WM 1990 - damit habe, so das Blatt, “die ISL besser verdient als die FIFA”. Aus Zürich kamen moderate Töne - man sei “zufrieden”, hieß es, weil man alles in “besten Händen” wisse. Hintergrund war, dass die ISL der FIFA 1982 aus einer eklatanten Finanzklemme geholfen hatte und im Gegenzug die Marketingrechte bis 1998 für einen Spottpreis von ganzen 340 Mio. sFr erhalten hatte. Drei Jahre nach Dasslers Tod holte Havelange nun die Vergangenheit ein. Fortsetzung folgt ... auf Seite 494.





und hier ist nun Seite 494:
WM 2002: Pleite einer Geldmaschine

Eines der größten Probleme der FIFA zur Jahrtausendwende und auch Mitverursacher für die tumultartige Präsidentenwahl unmittelbar vor dem WM-Turnier trug drei Buchstaben: ISL. Rund ein Jahr vor dem WM-Start meldete der anno 1982 von Horst Dassler bzw. adidas ins Leben gerufene und seinerzeit recht günstig in den Besitz der Marketingrechte für die WM-Turniere 1982-94 gekommene (siehe WM-Thema Seite 373) Rechtevermarkter International Sport, Culture and Leisure AG Konkurs an und stürzte damit zugleich den Weltverband ins Chaos. Bei “Ausflügen” in andere Sportarten war ISL kräftig auf die Nase gefallen und hinterließ ein brisantes Problem, da sich die FIFA nicht nur blitzschnell selbst um Sponsorenverträge etc. kümmern musste, sondern zugleich diverse Vorgänge aus der Vergangenheit zu erläutern hatte.


Ein Blick zurück: Lange Zeit war die Liaison ISL/FIFA eine Traumstory. Horst Dassler und João Havelange verstanden sich prima und andere Vermarkter klopften vergeblich an der FIFA-Tür an: Geschlossene Gesellschaft. Auch als ISL-Gründer Dassler 1987 starb, blieb die Verbindung intakt und die FIFA bestätigte, ISL verfüge über sämtliche Marketingrechte bis einschließlich zur WM 1998, für 2002 gäbe es eine Option. ISL-Stammfirma adidas befand sich seinerzeit jedoch in einer prekären Situation. Man hatte das Aufkommen moderner und progressiv vorgehender Konkurrenten wie Nike, Reebok oder Umbro verschlafen und schrieb plötzlich rote Zahlen. Grund genug für die vier Dassler-Schwestern, sich bis Ende 1990 von rund 80% des adidas-Impiriums zu trennen. Ableger ISL (adidas hielt 51%, der Rest lag beim japanischen Partner Dentsu), der den eher am reinen Geschäft interessierten und auf “diplomatischem” bzw. “lobbyistischem” Parkett reichlich unbedarften Dassler-Schwestern ohnehin etwas suspekt war, wurde ausgegliedert, wobei einer der Dassler’schen Ehemänner die Leitung der entsprechenden Holdinggesellschaft erhielt: Jean-Marie Weber, ein enger Vertrauter des verstorbenen Dassler.

Derweil adidas anschließend durch diverse Hände ging - unter anderem die des Politikers und Olympique-Marseille-Chefs Bernard Tapie - geriet ISL in turbulentes Fahrwasser, denn schon kurz darauf verließen mit Direktor Klaus Hempel und Jürgen Lenz zwei Schlüsselfiguren das Schiff und zogen einen eigenen Vermarkter auf: TEAM. Damit begann eine unangenehme Zeit für ISL und FIFA. TEAM präsentierte der UEFA ein fundiertes Konzept für einen reformierten Landesmeisterpokal und legte damit den Grundstein für die Champions League, deren erfolgreiche Vermarktung man sogleich selbst übernahm. Nachdem UEFA-Boss Johansson dadurch mit eigenen Augen sehen konnte, welche Einnahmen mittels eines derartigen Großereignis möglich waren, wurde er neugierig und begann, die FIFA-Kontrakte mit ISL zu untersuchen. Rasch wurde deutlich, dass sich die FIFA von ISL, wie schon seit langem kolportiert, in der Tat ziemlich über den Tisch hatte ziehen lassen. Oder aber bereitwillig über den Tisch gekrabbelt war, wie Kritiker vermuteten... Für nur 340 Mio. Schweizer Franken waren die Marketingrechte für die WM-Turniere 1990, 1994 und 1998 an ISL gegangen - eine Summe, die die UEFA mit der Champions League in nur einer Saison aufbrachte und die die Nachrichtenagentur »dpa« als “größte Fehlkalkulation der Sportgeschichte” bezeichnete. Die Skepsis auf Seiten der europäischen Gegner der Führungspolitik des damaligen FIFA-Präsidenten Havelange wuchs - und weil sein Generalsekretär Sepp Blatter die Verträge mit unterzeichnet hatte, geriet auch er in der Kritik. Dessen ungeachtet blieb die FIFA unter Havelanges Führung der ISL aber treu ergeben und schanzte ihr auch weiterhin unter bisweilen recht fragwürdigen Umständen die Rechte zu - u.a. für die WM-Turniere 2002 und 2006. Erst als Havelange 1998 seinem drohenden Sturz durch freiwlligen Rückzug zuvorkam, sank der ISL-Stern allmählich, und die FIFA öffnete sich für andere Vermarkter. Darunter war auch der deutsche Medienmogul Leo Kirch, der in diversen “Verkleidungen” (u.a. in Form der von ehemaligen ISL-Mitarbeitern gegründeten Agentur “Prisma”) auftrat und im Bereich der TV-Rechte für 2002 bereits gemeinsam mit ISL in einem Boot saß. Der ISL drohte mit der FIFA ein elementarer Geschäftspartner wegzubrechen und man wandte sich anderen Sportarten zu, ließ es dabei allerdings sowohl an inhaltlicher Kompetenz als auch an finanziellem Background mangeln. Ein hoch dotierter Zehn-Jahres-Vertrag über die ATP-Tennis-Turnier-Serie leitete schließlich das Aus durch Finanztod ein.

Insolvenzticker: Aus für die SpVgg Weiden

Nun hat es den ersten insolventen Klub erwischt: Die SpVgg Weiden wird ihren Spielbetrieb zum 1. Dezember 2010 einstellen. "Aktuell fehlt dem Verein schlichtweg jegliche Liquidität, um den Vereinsbetrieb fortzusetzen", begründete der vorläufige Insolvenzverwalter Stefan Waldherr die Eröffnung des am 5. November beantragten Insolvenzverfahrens.

Damit stehen die Oberpfälzer als erster Absteiger aus der Regionalliga Süd fest.
Die SpVgg Weiden ist mit rund einer Mio. Euro verschuldet. Um den Spielbetrieb in der laufenden Saison aufrecht zu erhalten, benötigte man eine sechsstellige Summe.
„Wir haben in den vergangenen zwei bis drei Wochen mit allen potenziellen Geldgebern und Finanzquellen gesprochen und uns dabei auf breiter Front Absagen geholt. Aktuell fehlt dem Verein schlichtweg jegliche Liquidität, um den Vereinsbetrieb fortzusetzen und zum Beispiel die unerlässlichen Versorgungs- und Versicherungsleistungen zu bezahlen. Im Interesse der rund 60 Angestellten des Vereins, die auch nur so das ihnen zustehende Insolvenzgeld bekommen können, wie auch der Gläubiger müssen wir jetzt einen klaren Schnitt machen und das Insolvenzverfahren eröffnen“
wird Waldherr auf der Vereinshomepage ("Jung - modern - erfolgreich: SpVgg Weiden") zititiert.

Der Klub will sich am heutigen Dienstag zu den weiteren Folgen äußern. Kann das Insolvenzverfahren erfolgreich abgewickelt werden, könnte die SpVgg Weiden 2011/12 in der Bayernliga einen Neustart unternehmen. Kann das Insolvenzverfahren nicht abgewickelt werden, droht dem Klub die Auflösung.

http://spvgg-weiden.com/cms/index.php?option=com_content&view=section&layout=blog&id=5&Itemid=56

Montag, 29. November 2010

Das Wunder von San Siro

Sorry, aber das muss nach diesem Wochenende einfach sein. Eine kleine Aufbauhilfe an alle Königsblauen aus meinem neuen Werk "Glaube, Liebe, Schalke". Glückauf!

Das Wunder von San Siro
„Hasta la vista, Schalke Finalista“, hatten die 5.000 mitgereisten Königsblauen schon beim Viertelfinale in Valencia gesungen. Doch mal ehrlich – wer hatte denn wirklich dran geglaubt? „Wir blinden Nackermänner“, staunte selbst Jens Lehmann in seiner ureigenen Art nach dem Einzug ins Finale.


Das 1:0 im Hinspiel ist ein knapper Vorsprung. Und Mailand ist siegessicher. Die Weltklassemannschaft aus der lombardischen Metropole gegen den Malocherklub aus dem Ruhrpott – für Italien ist das eine klare Sache. Doch Schalke kommt nicht alleine nach Mailand. Fast 30.000 Königsblaue sind mitgekommen – das macht rund ein Drittel aller Zuschauer im sagenumwobenen San-Siro-Stadion! Und daheim im Parkstadion haben sich weitere 30.000 versammelt, um die Partie auf einer Großbildleinwand zu verfolgen. Gelsenkirchen hält den Atem an.

„Inter hat viele Stars, aber wir haben die bessere Mannschaft“, weiß Huub Stevens. Und die dreißigtausendundelf Schalker zeigen, dass sie in der Tat die bessere Mannschaft sind. Schalke wirft eine Willensstärke, eine Entschlossenheit und eine Kampfbereitschaft ins Feld, mit der die Mailänder Fußball-Aristokraten gar nicht zurecht kommen. Schon nach acht Minuten bietet sich Wilmots die Chance zum 1:0, doch Pagliuca dreht den Ball um den Pfosten. Erst nach 20 Minuten kommen die Italiener etwas besser ins Spiel, doch Lehmann ist weitestgehend beschäftigungslos.

Als Inter nach dem Seitenwechel den Druck erhöht, verliert Schalke kurzzeitig die Übersicht. Einige zünftige Befreiungsschläge verhindern jedoch das Schlimmste, und je länger das Spiel dauert, umso sicherer werden die in Weiß spielenden Königsblauen wieder.

Fünf Minuten vor dem Ende dann doch noch der Schock: Ivan Zamorano hat getroffen! Verlängerung! Unfassbar – man hatte doch schon vier Finger auch der zweiten Hand am Pott gehabt! Und nun ist alles wieder offen.

Schlimmer noch: „Fünf Minuten vor Schluss – meine Beine waren plötzlich wie tot“, gab Marc Wilmots nach dem Schlusspfiff zu. Und fast hätte Maurizio Ganz den Schalkern tatsächlich auch noch die zweite Hand vom Pott gerissen. Doch der Mailänder scheitert an der Latte, und als die Verlängerung überstanden ist, kommt es zum Elfmeterschießen.

Ingo Anderbrügge tritt als erster an und bringt Schalke in Führung. Dann Ivan Zamorano. Der Schütze zum 1:0. Läuft an – und scheitert an Lehmann! Die erste Hand ist zurück am Pott!

Thon, Djorkaeff und Max treffen. Beim Stande von 3:1 für Schalke schnappt sich Aaron Winter das Leder. Lehmann informiert ihn schelmisch „ich bleibe in der Mitte stehen“, verunsichert den Niederlände damit und jubelt, als das Leder am Tor vorbeistreicht! Nun sind auch die vier Finger wieder am Pott!

„Wie viele müssen noch?“, heißt die bange Frage im Schalker Lager – viele haben in der Aufregung den Überblick verloren. ,,Was nur einer? Wer schießt denn?“ Eine Aufgabe, für die nur einer in Frage kommt: Willi, das „Kampfschwein“!

Wilmots läuft an, schickt Pagliuca in die rechte Ecke und befördert das Leder in die linke. Nun sind beide Hände am Pott und der größte Sieg in der Geschichte des FC Schalke 04 ist perfekt!

„So ein Tag, so wunderschön wie heute“, intoniert die „blaue Wand“ im Giuseppe-Meazza-Stadion, wobei der Klassiker weniger gesungen als vielmehr geheult wird. „Das ist nicht zu fassen! Das ist unglaublich!, stammelt Marc Wilmots stellvertretend für alle, die mit den Königsblauen halten – und das sind an diesem Abend weiß Gott mehr als nur die Schalke-Fans!

Als sich der Adrenalinspiegel langsam normalisiert, kommen neue Tränen. Tränen der Rührung und der Erleichterung. Was hat man als Schalker alles mitmachen müssen! Skandale, Querelen, zwei unglückliche Vizemeisterschaften, drei Abstiege und, und, und. Alles vergessen durch diesen unvergessenen Abend in Mailand, an dem der FC Schalke 04 seinen Stempel unter eine unvergessene UEFA-Cup-Saison drückte.

Als die Helden nach Gelsenkirchen zurückkommen, sind dort mehr als 100.000 Menschen auf den Beinen. Im Schritttempo geht es in offenen Cabrios vom Hans-Sachs-Haus zum Parkstadion, wo jeder königsblaue Fan tatsächlich mal „Hand an den Pott“ legen darf. Es ist ein Schalke, wie es perfekter nicht zum „Mythos“ passen könnte. Ein zum Kampf und zur Arbeit fest entschlossenenes Kollektiv ohne jegliches elitäres Gehabe hat den Erfolg geholt, eine begeisterungsfähige und kreative Fangemeinde hat dem Team über schwierige Phasen hinweg geholfen und eine Stadt, die ihren Stolz vor allem über den Fußball definiert, hat die Bühne geliefert.
 
Dieser Artikel stammt aus meinem Buch "Glaube, Liebe, Schalke. Die komplette Geschichte des FC Schalke 04. Erschienen 2010 beim Verlag Die Werkstatt. 464 Seiten, etwa 1.000 Abbildungen. ISBN: 978-3-89533-747-5

Sonntag, 28. November 2010

Französischer Landesmeister in Singapur

Im asiatischen Stadtstaat Singapur feiert man in dieser Saison einen ungewöhnlichen Landesmeister.

Mit dem Étoile FC sicherte sich eine Mannschaft den Titel, die ausschließlich aus Franzosen besteht. Der entscheidende Sieg gelang der Elf von Trainer Patrick Vallée beim 4:2 über Albirex Niigata am 10. November 2010.

Der Étoile FC ("Stern FC") wurde erst in diesem Jahr gegründet und ist mit Akteuren bestückt, die zu den etwa 300 arbeitslosen Profis in Frankreich zählen. Die Spieler verbinden ihren Wechsel in die singapurische S-League mit der Hoffnung, dass er sich zum Sprungbrett in die lukrativen  Profiligen in Japan und Südkorea entwickeln wird.

Klubgründer Johan Gouttefangeas sieht seinen Verein als "langfristiges Projekt. Wir wollen ein Klub mit vielen Fans werden und planen Akademien in der gesamten Region", hatte er vor dem Saisonstart am 1. Februar 2010 angekündigt. Wie die (englischsprachigen!) Klub-Homepage zeigt, ist es dem Klub bereits gelungen, zumindest eine kleine Fanschar um sich zu scharen. (http://www.etoilefootballclub.com/). Der Verein arbeitet unter professionellen Bedingungen und spielt im Queenstown Stadium im Stadtteil Queenstown.

An der asiatischen Champions League darf der neue Landesmeister Étoile FC allerdings nicht teilnehmen, da dafür nur singapurische Teams spielberechtigt sind.

Ausländische Mannschaften in der singapurischen Nationalliga sind nichts ungewöhnliches. Seitdem der Nationalverband 2003 seine Türen für ausländische Mannschaften öffnete, spielten mit Sinchi FC (2003, China), Albirex Niigata (2004, Japan), Sporting Afrique (2006), Liaoning Guangyuan, Super Reds (beide 2007, China/England), Dalian Shide (2008, China),  DPMM (2009, Brunei-Darusalam) sowie Beijing Guoan (China, wie der Etoile FC 2010) bereits acht ausländische Klubs in der S.League.

Weitere Informationen über die Geschichte des Fußballs in Singapur und die großen Vereine des Stadtstaates gibt es im ersten Band der Weltfußballenzyklopädie.

Samstag, 27. November 2010

Eintracht Kreuznach - zwischen Leben und Sterben

Kein Geld, keine Spieler und vermutlich auch keine Punkte mehr bis zum Saisonende. So sieht das Schicksal der finanziell schwer angeschlagenen SG Eintracht Kreuznach aus. Nach dem Finanzcrash ist die Mannschaft des Landesligisten völlig auseinandergebrochen, und mit Hilfe von Reserve- und Nachwuchsspielern versucht man verzweifelt, den Spielbetrieb aufrecht zu erhalten. "Wir wollen die Saison zu Ende spielen", versicherte Trainer Ercan Ürün gegenüber der "Allgemeinen Zeitung".
Doch das entwickelt sich zunehmend zu einer zermürbenden Angelegenheit. In den letzten drei Spielen kassierte der frühere Zweitligist gleich 25 Tore und haderte mit erheblichen Personalproblemen. So standen Ürün kürzlich beim 0:12 (0:5) beim TuS Hoppstädten lediglich 14 Spieler zur Verfügung, nachdem kurz vor dem Anstoß vier Akteure kurzfristig abgesagt hatten: „Es haben alle ohne Verletzung durchgespielt, und es hat auch keiner eine Rote Karte gesehen“, kommentierte Ürün das katastrophale Ergebnis, das er als "zweitrangig" bezeichnete.
Zuvor hatte die SGE bereits mit 0:8 in Nanzdietschweiler und mit 0:5 gegen den SV Rodenbach verloren. Seitdem haben die Witterungsverhältnisse für eine Entspannung gesorgt, denn sämtliche Spiele mussten abgesagt werden.
Beim Heimspiel gegen Rodenbach war auch der vorläufige Insolvenzverwalter Dr. Robert Schiebe vor Ort und gestand gegenüber der "Allgemeinen Zeitung": „Ich bin Fan einer anderen Eintracht.“ Zugleich stellte er fest: „Ich muss die Bemühungen des Vereins herausheben. Da haben Mitarbeiter in der Geschäftsstelle telefoniert und dies möglich gemacht.“ Ziel sei es, Ruhe in den Verein zu bringen, damit „auch die Aktivitäten in der Jugend weiter gehen.“ Wenn der Spielbetrieb der ersten Mannschaft weiter gehe, dann wäre das das i-Tüpfelchen.“

Weiter Informationen:
http://www.allgemeine-zeitung.de/sport/bad-kreuznach/sg_eintracht_kreuznach/9568674.htm