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Donnerstag, 1. März 2012

Buchtip: Rot-Weiss Essen in den 70ern

Ein Buch über Rot-Weiss Essen. Und dann auch noch über die „Goldenen 70er“ beim heutigen Regionalligisten. Das 342-Seiten-Buch von Karsten Kiepert ist eindeutig eine Zeitreise. Eine Einladung in eine Epoche, in der der Fußball noch schwarzweiß war. In der es nach Bier und Bratwurst roch, auf den Rängen allmählich die Schlipsträger den Kutten wichen, aus Spielern Stars wurden. In Essen allerdings ein wenig später als anderswo.

Nicht nur deshalb ist Rot-Weiss Essen ein phantastisches Thema für diese Zeit, und Kiepert gelingt es in seinem (natürlich!) ausschließlich schwarz-weiß gehaltenen Buch auch großartig, die Zeit und die Umstände einzufangen, zu konservieren und zu präsentieren. Damit sei sogleich gesagt, dass dieses Buch sich zwar natürlich in erster Linie an RWE-Fans richtet, es aber für alle Nostalgiker einen großartigen Fundus aus schönen alten Tagen liefert.

Da sind die Fotos. Herrliche Impressionen von der Hafenstraße, mit einem schönen Blickwinkel für und auf den Alltag damals. Die Bilder zeigen, dass es beim Fußball in den 1970ern wahrlich nicht nur um Fußball ging. Er war Alltagsgeschichte. Lebenskultur, keine Eventkultur. Und es war auch die Zeit, in der es neben dem Spielfeld bisweilen etwas ruppig zuging – gerade auch an der Hafenstraße im Essener Norden. Und so garniert Kiepert sportlich geprägte Spielberichte schön mit Anekdoten, was zeitgleich auf den Rängen oder vor dem Stadion los war. Kiepert war – und ist – eben RWE-Fan, der es alles selbst miterlebt hat.

Die Texte und Interviews sind flott geschrieben. Griffige Ruhrpottschreibe, kenntnisreiche Interviews mit teilweise überraschenden Aussagen. Bunte Eindrücke über das Leben nicht allzu bekannter Bundesligaspieler, denn mit Ausnahme von Ente Lippens, Manni Burgsmüller und Horst Hrubesch hat RWE ja in jenen Tagen niemanden hervorgebracht, der es zu bis heute über die Stadtgrenzen reichenden Ruhm gebracht hat. Oder kennt noch jemand Heinz  Stauvermann, Günter Fürhoff, Werner Kik? Dazu kommen Interviews mit Zeitzeugen wie dem langjährigen Fan „Manni“ oder einem Anhänger, der auf über 700 Spiele kommt.

Und dann sind da natürlich all die Erfolge in einer der aufregendsten Epochen Rot-Weisser Vereinsgeschichte. Fünf Jahre Bundesliga, zwei Aufstiegsrunden, Relegationsspiele gegen Nürnberg und Karlsruhe, ein mitreissender Sturmlauf, bei dem Burgsmüller, Hrubesch und Lippens RWE 1975/76 fast in den UEFA-Cup geschossen hätten – Kiepert hat einiges zu erzählen.

Garniert wird das Ganze mit reichlich zeitgeschichtlichem Material wie Zeitungsausschnitten, Statistik, zig Spielerporträts und vielen kleinen Anekdötchen. Ein Buch voller Liebe, zu verordnen jedem RWE-Fan und/oder Sympathisanten, zu empfehlen jedem, der in den 70ern Bundesligafußball erlebt hat und eine Fundgrube für alle jüngeren Fans, die wissen wollen, wie es damals war.

Karsten Kiepert
Rot-Weiss Essen. Die70er. Mythen. Legenden. Bundesliga. Eine unvergessliche Zeit...
Agon Sportverlag, Kassel. ISBN 978-3-89784-387-5. 24,90 Euro

Mittwoch, 8. Dezember 2010

Insolvenzticker: Update Rot-Weiss Essen

Im Sommer 2010 war Rot-Weiss Essen einer jener Regionalligisten, die nach Beantragung eines Insolvenzverfahrens aus der 4. Liga zwangsabsteigen mussten. Zeitweise drohte dem Klub sogar die Auflösung und damit ein Neuanfang in der C-Klasse. Schließlich konnte der Traditionsverein aber doch in der 5. Liga (NRW-Liga) antreten. Das Schicksal von RWE ging damals bundesweit durch die Presse und wurde exemplarisch für die Situation im Unterbau der Profiligen betrachtet.


Sportlich hat sich der Klub in der NRW-Liga rasch erholt und steuert gegenwärtig - begleitet von enormen Zuschauerzahlen - auf seinen direkten Wiederaufstieg zu. Nun wurde auf der Jahreshauptversammlung auch in wirtschaftlicher Hinsicht Hoffnung verbreitet. Demnach soll das Planinsolvenzverfahren im April oder Mai 2011 abgeschlossen sein, womit RWE schuldenfrei wäre. Insgesamt war der Viertligist mit 18,9 Mio. Euro verschuldet, wobei nur 2,1 Mio. Euro anerkannt wurden. Die Gläubiger können mit einer in derlei Verfahren üblichen Quote von acht bis zehn Prozent rechen. Die bei Ex-Investor Michael Kölmel ("Kinowelt") liegenden TV-Vermarktungsrechte sollen im Rahmen des Insolvenzverfahrens an den Verein zurückgehen.
„Im letzten Sommer war RWE nicht weit von der Kreisliga C entfernt. Jetzt liegt schon ein großer Teil des Weges hinter uns. Noch ist die Sanierung aber nicht abgeschlossen“, erklärte Insolvenzverwalter Dr. Frank Kebekus gegenüber der Presse.

Unter seinem engagierten neuen Vorsitzenden Michael Weling hat RWE in der laufenden Saison mit vorsichtiger und bodenständiger Finanzpolitik die Weichen in Richtung eines zukunftsträchtigen Neuanfang gestellt. Zudem darf der Verein auf ein neues Stadion hoffen, wobei das erst mit einer möglichen Rückkehr in höhere Spielklassen Zug um Zug gebaut werden soll.

Mittwoch, 2. Juni 2010

Insolvenzticker: Rot-Weiss Essen

Für Rot-Weiss Essen sieht es zappenduster aus. Der DFB hat die Bürgschaft in Höhe von 2,7 Millionen Euro nicht akzeptiert. RWE bleibt nun noch bis Freitag, um 2,4 Millionen Euro aufzubringen, damit der Klub in der 4. Liga bleiben kann.
„Der DFB hat unsere Bürgschaft in Höhe von 2,7 Millionen Euro nicht akzeptiert. Wir haben sofort eine einstweilige Verfügung beim Frankfurter Landgericht gegen diese Entscheidung eingereicht“, bestätigt Vorstandsmitglied Thomas Hermes gegenüber "Reviersport". „Ohne die Hilfe der Stadt oder der Sponsoren werden wir keine Lizenz erhalten. Unsere letzte Hoffnung ist, dass sich im Laufe des heutigen Abends noch ein Gönner findet."
Nach Angaben von "Reviersport" wurde die angesprochene einstweilige Verfügung ebenfalls vom DFB abgelehnt. (http://www.reviersport.de/119467---rwe-dfb-akzeptiert-buergschaft-update.html)
Bereits seit Montag fordert der Verein auf seiner Homepage alle Anhänger um Unterstützung auf.
"Nun sind alle Rot-Weißen gefragt. Auch RWE-Idol Willi „Ente“ Lippens hat in einem Gespräch mit der Vereinsführung zugesagt, den Verein ab sofort zu unterstützen und seine Kompetenzen einzubringen. Lippens: „Das Aus für RWE wäre schlimm für die Fans und die Stadt.“ Bislang gingen etwa 20.000 Euro ein.
Das Spendenkonto bei der Sparkasse Essen: BLZ 360 50105, Konto-Nr.: 253039. Inhaber: Dr. Thomas Hermes. Verwendungszweck: Nur der RWE.

Montag, 31. Mai 2010

Insolvenzticker: Rot-Weiss Essen

Mit Rot-Weiss Essen steht der nächste Traditionsklub vor dem Aus.
Nach einer sportlich äußerst turbulenten und unterm Strich wenig zufriedenstellenden Spielzeit 2009/10, die darüber hinaus von einem Dauertheater um den Stadionneu- bzw. umbau begleitet war, sorgte die Entscheidung der Stadt Essen, dem Klub keine weitere Unterstützung zu gewähren für den nächsten Schock. Essens Oberbürgermeister Reinhold Faß teilte RWE am heutigen Montag mit, die für Lizenzerteilung notwendigen 2,7 Millionen Euro nicht zur Verfügung zu stellen.
Damit steht RWE unter gehörigem Druck, denn bis zum Freitag 15.30 Uhr muss der Traditionsverein eine Liquiditätsreserve in Höhe von 2,7 Mio. Euro nachweisen, um die Lizenz für die Regionalligaspielzeit 2010/11 zu bekommen. RWE wird nun die im Lizenzierungsverfahren 2009 von der städtischen Grundstücks-Gesellschaft GVE beim DFB hinterlegte Bürgschaft abrufen. Dies ist ein bislang einmaliger Vorgang im deutschen Profifußball, für den es beim DFB keinen Präzedenzfall gibt.
Ob der DFB die gesammte Summe auszahlt, ist zudem völlig offen. Sollte der DFB nicht zustimmen, drohen RWE der Zwangsabstieg und die Insolvenz.
Vorstandsmitglied Thomas Hermes verkündete auf der vereinseigenen Website: "Ohne fremde Hilfe schaffen wir es nicht. Sollte der DFB die Auszahlung der Bürgschaft nicht genehmigen, muss RWE bis Freitag, 15.30 Uhr, 2,7 Mio. € besorgen. Ich sage es ganz deutlich: Wir schaffen es nicht alleine und brauchen Hilfe. In der 103-jährigen Geschichte unseres Vereins ist die aktuelle Situation existentiell bedrohlich."
Auf einer Pressekonferenz des Vereins erläuterte Hermes weiterhin: "Wir hatten in vertraulichen Gesprächen mit den Stadtvertretern das Gefühl, dass die Stadt uns noch einmal unter die Arme greifen wird. Wir haben auf eine letzte Chance gehofft. Doch zu unserem Bedauern wird es diese von Seiten der Stadt nicht mehr geben. Der Oberbürgermeister hat uns zu verstehen gegeben, dass sich bei RWE nichts tut und er keine positive Zukunft für den Klub sieht. Seiner Meinung nach ist trotz des neuen Vorstands alles beim alten geblieben. Im schlimmsten Fall müssten wir klären, was für Rot-Weiss Essen das Beste wäre. Die NRW-Liga oder eine neue Vereinsgründung? Bei einem Klub mit einer 103-jährigen Tradition ist dies eine mehr als schwere Entscheidung. Mit so einem Szenario werden wir uns aber erst auseinandersetzen, wenn es wirklich so weit auch sein sollte."
Sollte das Aus in diesem Sommer verhindern werden können, droht RWE für den Sommer 2011 ein vergleichsweises Drama, da die städtische GVE dann sehr wahrscheinlich ihre Bürgschaft zurückfordern würde. Hermnes: "Natürlich könnte die Stadt Essen nächstes Jahr zu uns kommen und diese Summe einfordern. Jedoch würden wir uns dann vor dem Essener Landgericht wiedersehen. Unserer Meinung nach liegt hier nicht die Schuld beim Verein, sondern bei den ehemaligen handelnden Personen, die mit einem Fünf-Jahres-Plan in Essen angetreten sind, der längst nicht mehr aktuell ist. Es würde zu einem Rechtsstreit kommen."