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Dienstag, 1. Oktober 2013

Zur Veröffentlichung der dreibändigen Chronik des VfB Stuttgart


Zu seinem 120. Geburtstag hat der VfB Stuttgart eine insgesamt 740seitige Trilogie erstellt, die im namhaften Piper-Verlag erschienen ist. Ich will an dieser Stelle nicht allzu sehr auf den Inhalt eingehen, zumal sich nur einer der drei Bände mit der Geschichte des VfB beschäftigt – bei den beiden anderen handelt es sich einerseits um einen reinen Bildband ausschließlich über die Saison 2012/13 und andererseits um eine bilderlose Anekdotensammlung aus eben jener Saison 2012/13.

Der dritte Band, 320 Seiten stark, trägt den Titel „Chronik. Zahlen, Daten und Fakten“ und ist nach Auskunft des Vereins „ein umfassendes Werk aus Zahlen, Daten und Fakten, wie es der VfB bisher noch nie vorgelegt hat“. Weiter heißt es: „Der Sportjournalist und KircherBurkhardt Redakteur Michael Thiem sowie seine Kollegen gruben sich tief ins Stuttgarter Stadtarchiv, um Ergebnisse und Details von ehemaligen Spielern zu finden. Gemeinsam mit dem VfB wurden so sämtliche Pflichtspielergebnisse, Abschlusstabellen und Spielerkader von 1912 bis zum Ende der vergangenen Saison aufbereitet.“

Vorbildlich! Oder vielleicht doch nicht? 2006 habe ich für „Mit dem Ring auf der Brust. Die Geschichte des VfB Stuttgart“ mehrere Wochen in Stuttgart verbracht und mich durch diverse Archive gewühlt, um Ergebnisse, Spielerkader und Anekdoten aus der Zeit zwischen 1893 und 1963 zu eruieren. Mein Buch war seinerzeit die erste Veröffentlichung, in der alle Pflichtspiele, Spielerkader und Tabellen der Klubgeschichte aufgeführt wurden – mit ein paar kleinen Lücken, die einfach nicht zu stopfen waren.

Erstaunlicherweise weist der erwähnte dritte Band der offiziellen Klubchronik nicht nur exakt dieselben Lücken auf, sondern folgt auch sonst deckungsgleich meinen Angaben – wo mir ein Ergebnis fehlte, fehlt es auch hier, wo ich keinen Vornamen herausfand, fehlt er auch hier, wo ich einen Kommentar unter eine Tabelle setzte, steht er nahezu wortgleich auch hier. Im Klartext: was den statistischen Teil betrifft, grub sich das Autorenteam keineswegs „tief ins Stuttgarter Stadtarchiv“ ein, sondern steckte seine Nase eher tief in „Mit dem Ring auf der Brust“. Nebenbei sei gesagt, dass viele Informationen ohnehin gar nicht im - ausgezeichnet sortierten! - Stadtarchiv zu finden waren, sondern in der Landesbibliothek.

Bedauerlicherweise vergisst das VfB-Autorenteam, die Quelle seiner Informationen zu nennen – „Mit dem Ring auf der Brust“ taucht noch nicht einmal im ohnehin eher übersichtlichen Literaturverzeichnis auf.
http://www.werkstatt-verlag.de/?q=9783895335938

Ich bin es gewohnt, dass meine mühsam eruierten Daten aufgegriffen werden und rege mich selten darüber auf. Auch ich profitiere in meiner Arbeit immer wieder von der Arbeit anderer. Was die immerhin stolze 88 Euro kostende VfB-Trilogie (Amazon, im Fan-Shop 79 €) betrifft, bin ich nun aber schon etwas erzürnt. Deshalb dieser eher ungewöhnliche Hinweis, verbunden mit der Hoffnung, die ganze Angelegenheit ein wenig bekannter zu machen. Gerade VfB-Fans dürfen dies also gerne teilen ;-) (http://www.vfb.de/de/aktuell/meldungen/news/2013/trilogie-vfb-stuttgart-120-jahre/page/6651-1-3-.html)

Montag, 2. April 2012

Gründung des VfB Stuttgart vor 100 Jahren

Heute vor 100 Jahren entstand der VfB Stuttgart, als sich der Stuttgarter FV 1893 und der FC Krone Cannstatt vereinten. Hier ein Auszug aus meinem Buch "Mit dem Ring auf der Brust. Die Geschichte des VfB Stuttgart" über den Zusammenschluss.

 
Die Fusion
Mit dem imposanten Aufschwung des FV 93 nach dessen Wandel von einem Rugby- in einen Fußballverein geriet Stuttgarts Fußball völlig durcheinander. Plötzlich gab es neben den Kickers, den Sportfreunden sowie dem FC Union einen weiteren Verein, der sich unter den besten Klubs in Süddeutschland festzusetzen versuchte.

Die Schwarz-Gelben waren drauf und dran, dieses Ziel zu erreichen, als sie auf Widerstände stießen. Der erste war sportlicher Natur und hieß FV Zuffenhausen – 1910 hatten die Männer von der Schlotwiese im Aufstiegsspiel zur A-Klasse glücklich die Nase vorn. Der zweite verband sich mit dem Sportplatz am Karl-Olga-Krankenhaus, dessen Zukunft höchst ungewiss war. Und als dritter Grund spielte eine bedrohlich dünne Personaldecke eine Rolle, die die sportliche Zukunft der 93er ungewiss erscheinen ließ.

Während der packenden Saison 1910/11, als sich der FV 93 und der Kronenclub Cannstatt ein dramatisches Rennen um den Staffelsieg geliefert hatten, war es zu engeren Kontakten zwischen Akteuren beider Vereine gekommen. Gemeinsame gesellige Veranstaltungen festigten das Verhältnis, und so war eines Tages das Thema Fusion aufgetaucht, dem beide Seiten durchaus offen gegenüber standen.

Auch der im gesellschaftlichen Leben Cannstatts eine wichtige Rolle spielende FC Krone war nämlich ein wenig an seine Grenzen gestoßen. Vor allem sportlich. Erst 1908 verwandelten sich die Grün-Weiß-Roten offiziell von einem Schülerklub in einen „echten" Sportverein, dessen Mittel jedoch begrenzt waren. Unter Vorsitz von Eugen Imberger sowie FV-93-Vertreter Karl Rupp kam es 1911 zu ersten Gesprächen über einen möglichen Zusammenschluss, der zahlreiche Vorteile bot: Während der FC Krone neben seinem Sportplatz am Fuße der Münsterer Kirche mit Copé Wendling, Willy Giersch und Fritz Stiefel drei Ausnahmefußballer vorweisen konnte, bestach der FV 93 durch langjährige Erfahrungen im Vereinswesen und wies einen innovativen Geist auf.

Im Spätsommer 1911 kam es im Hotel Concordia zu einer gemeinsamen Versammlung, bei der der Durchbruch erzielt wurde. Wenigen Skeptikern stand die überwältigende Mehrheit an Befürwortern gegenüber, und so wurde beschlossen, die Fusion nach Ende der laufenden Spielzeit im Spätsommer 1912 durchzuführen.

Von diesem Moment wirkten Kronenclub und FV 93 Hand in Hand, denn als die Schwarz-Gelben Weihnachten 1911 zu einem Freundschaftsspiel zu Inter Mailand reisten, waren mit Giersch, Stiefel und Wendling sogar drei Kronenklübler dabei. Das brachte den Akteuren zwar eine Sperre durch den Verband ein (sie hätten nicht für einen anderen Verein spielen dürfen), festigte aber die Bindung zwischen den Fusionswilligen.

Dass der am 2. April 1912 mit der Eintragung ins Vereinsregister vollzogenen Fusion zum VfB Stuttgart eine glückliche Zukunft beschieden war, verdankte man nicht zuletzt seinem sportlichen Traumstart mit dem Aufstieg in die Südkreisliga. Nicht nur der Erfolg schweißte den von Wilhelm Hinzmann angeführten Klub zusammen – schließlich stammten beide Ursprungsvereine aus schulischem Umfeld, war man vergleichbaren sozialen Milieus entsprungen und verfügte über diverse vereinsübergreifende „zarte Bande".

Die Harmonie bestätigte sich bei Fragen nach den neuen Vereinsfarben bzw. dem Wappen. Für das erste wurde weder das Schwarz-Gelb des FV 93 noch das Grün-Weiß-Rot des FC Krone gewählt, sondern das verbindende Weiß-Rot Cannstatts, während die als Logo fungierenden drei Hirschangeln des württembergischen Hauses den Anspruch des VfB dokumentierten, Nummer eins von Württemberg zu werden!