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Sonntag, 19. Januar 2014

Zur jüngsten Entwicklung bei Göttingen 05 (Extrablatt von "Alle Tassen im Schrank")


In den letzten Wochen haben sich die Dinge rund um meinen Lieblingsverein Göttingen 05 förmlich überschlagen. Daher habe ich mich in der heutigen Story der "Tassen-Like-Liga powered by Hardy Grüne" (www.facebook.com/hardygruene) eingehend mit der Situation/Entwicklung beschäftigt. Die Geschichte auch hier im FußballGlobus als update:

Manchmal überholt die Gegenwart die Wirklichkeit. Macht keinen Sinn, dieser Satz? Nun, es geht in der heutigen (Warnung: recht langen!) Tassengeschichte um Göttingen 05, und da macht vieles keinen Sinn. Warum also nicht auch mein Einstiegsatz?

Ursprünglich hatte ich diese Tasse mit dem einstigen 05-Maskottchen ("GöTi") posten wollen, weil es heute in Göttingen zu einem ungewöhnlichen Duell kommt: Göttingen 05 gegen Göttingen 05. Anlass ist ein Hallenturnier in Erinnerung an Altpräsident Karl Eckold, das ausgerichtet wird vom RSV Göttingen 05 und an dem die U23 des I. SC Göttingen 05 teilnimmt. Es ist das erste Mal seit der Auslagerung des I. SC 05 aus dem RSV 05, dass sich beide Vereine als Gegner gegenüber stehen.

Ist das schon absurd, so wurde die Situation im Laufe der letzten Woche noch unendlich absurder. Und so erzählte ich nun eine Geschichte, die an eine Tragödie erinnert und von der ich noch immer hoffe, dass sie sich doch noch irgendwie in ein Lustspiel verwandelt. Das aber scheint zum gegenwärtigen Zeitpunkt völlig unvorstellbar zu sein, denn tatsächlich sitzen wir 05-Anhänger und Symphatisanten im Wortsinne längst auf der „Intensivstation“ und schauen dem rasanten Verfallprozess eines mit viel Hoffnung, Pomp und großen Worten gestarteten Projektes zu, das nach gegenwärtigem Stand mit dem endgültigen Ende des höherklassigen Leistungsfußballs bei Göttingen 05 enden könnte. Ihr seht schon – heute gibt es eine eher ungewöhnliche „Tassen-Like-Liga powered by Hardy Grüne“-Story mit einem ganz persönlichen Bezug.

Wenn ich das Bild von der Intensivstation aufgreife, sehe ich mich und viele andere langjährige 05-Freunde und Freundinnen in verzweifelter Trauermine am Krankenbett des I. SC Göttingen 05 stehen. Uns eint eine Mischung aus Unverständnis, Wut, Ratlosigkeit und Trauer. Uns trennen unterschiedliche Wahrnehmungen, was genau das eigentlich ist, das da auf dem Krankenbett (Totenbett?) liegt.

Göttingen 05 hat in den letzten zehn Jahren mehrere Transformationen durchgemacht. Mal kurz ein Rückblick: 2001 stieg der 1. SC 05 nach einem 3:0 gegen Holstein Kiel in die Regionalliga Nord auf, bekam aber keine Lizenz. Zwei Jahre später wurde der Verein aufgelöst und aus dem Vereinsregister gestrichen, weil es im Insolvenzverfahren durch, ich sag mal „ungeschickt beratene Spieler“ nicht die normalerweise übliche Lösung gab (jeder Schuldner bekommt einen bestimmten Prozentsatz), sondern die Akteure auf die Auszahlung der gesamten Gelder beharrten, was zur Liquidierung des Vereins führte.

Als Auffangverein entstand der 1. FC Göttingen 05, der 2005 mit dem RSV Geismar zum RSV Göttingen 05 fusionierte. Für uns 05-Fans war die Heimat fortan der Sportplatz an der Benzstraße in Geismar, und wir guckten nun Bezirksklassenfußball (8. Liga). Das taten wir mit Verve, Freude und zunehmendem Stolz. 2011 gelang die Rückkehr in die Oberliga Niedersachsen, jene Spielklasse, in der der alte 1. SC 05 bei seiner Auflösung gespielt hatte. 05 war wieder die „Nummer 1 der Stadt“, und es gab eine bunte und fröhliche Anhängerschaft um den Verein. Dem entscheidenden Lokalderby gegen die SVG hatten über 2.500 Menschen beigewohnt – Fußball-Göttingen lebte, und das dank 05. In der Oberliga spielte man im ersten Jahr gut mit, während es im zweiten Jahr nach einem Regionalligaträume auslösenden Traumstart zu einer gewissen Ernüchterung kam.

Längst war zudem klar, dass der RSV 05 an seinen Grenzen angelangt war. Ein ehrenamtlich geführter Verein, dessen Ehrenamtliche bis über beide Ohren in Arbeit und Verantwortung steckten. Und die nebenbei „normalen“ Berufen nachgingen, Familien hatten, etwas Freizeit für sich beanspruchten. Gerüchte vom Rückzug in die Landesliga, möglicherweise gar Bezirksliga machten die Runde und passten so gar nicht zu den grassierenden Hoffnungen auf den Aufstieg in die Regionalliga. Es kam ein Mann namens Michael Wucherpfennig, der Lösungsansätze versprach. Ein Businessclub wurde gegründet, der Slogan „2015 - one team, one dream“ propagiert. 2015 sollte die Regionalliga erreicht werden.

Unterdessen kündigte der RSV-05-Vorstand die Ausgliederung der Oberligamannschaft als GbR (o.ä.) an, um aus der persönlichen Verantwortung im Falle eines Finanzcrashes entlassen zu werden. Sehr nachvollziehbar, denn wer will schon fast seine gesamte Freizeit opfern und dann auch noch mit seinem Privatvermögen dafür haften, wenn es schief geht? Herr Wucherpfennig hatte daraufhin die Idee, für die ausgelagerte Oberligamannschaft den alten 1. SC Göttingen 05 wiederzugründen. Es wurde ein Drei-Säulen-Modell vorgestellt, bei dem der RSV 05 die Basis bildete, dem der 1. SC 05 als Oberligamannschaft und ein bereits existierender Jugendförderverein (JFV) Göttingen als Nachwuchsleistungsabteilung unterstand. Alle drei Vereine sollten unter dem Dach des RSV 05 miteinander kooperieren. So wurde es von den RSV-05-Mitgliedern beschlossen, doch so kam es nicht.

Weil der neue 1. SC 05 (fälschlicherweise als I. SC 05 gegründet) über keine Nachwuchsmannschaften verfügte, durfte er auf Verbandsverdikt 2013/14 nicht wie geplant in der Oberliga spielen. Daraufhin kam es zur Vereinigung zwischen I. SC 05 und JFV, woraufhin 2013/14 der nunmehr mit Jugendmannschaften bestückte I. SC 05 anstelle des RSV 05 in der Oberliga Niedersachsen antrat. Der RSV 05 nahm unterdessen den Platz der ehemaligen RSV-05-II-Mannschaft in der Kreisklasse an. Plötzlich gab es also zweimal Göttingen 05 im Spielbetrieb!

Wir Fans sahen das mit unterschiedlich großem Bauchgerummeln. Während einige sich von den Regionalligaträumen leiten ließen und über kritische Punkte hinwegsahen, bekamen andere zunehmend Probleme mit der Entwicklung, die einerseits nicht der beschlossenen Drei-Säulen-Lösung folgte und andererseits zu einer sich in Windeseile vertiefenden Spaltung zwischen RSV 05 und I. SC 05 führte.

Unterdessen zeigte sich, dass der Slogan „one team – one dream“ vor allem in punkto „one team“ nicht wirklich mit Leben erfüllt war. Klubinitiator und auch Geldgeber Wucherpfennig agierte nämlich eher als „one-man-team“, was viele im Umfeld zurückschrecken ließ. Wie Dominosteine fielen die ehrenamtlichen Helfer aus, weil sie keine Lust mehr hatten. Eines Tages kam ich zum Spiel, und da saß ein verletzter Stürmer an der Kasse, weil die ursprüngliche Kassiererin die Brocken hingeschmissen hatte. Besagter Stürmer agierte dann später auch noch als Stadionsprecher – denn auch der war gegangen. Um Herrn Wucherpfennig wurde es einsamer.

Die sportliche Leitung hatte zur Saison 2013/14 der ehemals für den JFV verantwortliche Hansi Ehrlich übernommen. Wie Herr Wucherpfennig ein Mann, zu dessen Stärken nicht unbedingt die Teamarbeit gehört. Jeder halbwegs Interessierte ahnte daher, dass das Duo Wucherpfennig/Ehrlich eigentlich nicht funktionieren KANN, denn bei zwei Alpha-Tieren muss eines zwangsläufig auf der Strecke bleiben. Im Oktober, nur drei Monate nach der Gründung des I. SC 05, war es soweit. Herr Wucherpfennig, ohne den es nie zur Gründung des I. SC 05 gekommen wäre, zog sich zurück, Trainer Hansi Ehrlich wurde auch noch Klubpräsident und stellte sich einen Vertrauen als 2. Vorsitzenden an seine Seite. Der I. SC 05 verfügte zu jenem Zeitpunkt fast ausnahmslos über Jugendspieler als Mitglieder, denn zunächst war der passive Beitritt gar nicht möglich gewesen (man wolle eine „feindliche Übernahme“ verhindern, hieß es), dann stand eine mögliche Doppelmitgliedschaft in RSV und SC im Raum ehe sich herausstellte, dass der auf der SC-Website herunterladbare Aufnahmeantrag nicht rechtsgültig war.

Die Jugendspieler aber waren fast alles Mitglieder des ehemaligen JFV und damit Anhänger von Hansi Ehrlich, der dementsprechend mit überwältigender Mehrheit zum Präsidenten gewählt wurde. Um danach ein Regime zu installieren, das an totalitäre Staaten erinnert. Mit Rundumschlägen, die sämtlichen vorherigen Verantwortlichen die Alleinschuld für die sportliche und finanzielle Misere zuschob (Ehrlich war und ist, das sei an dieser Stelle wiederholt, Trainer der Oberligamannschaft, die unter seiner Führung eine katastrophale Hinrunde spielte!), mit vollmundigen Versprechungen bezüglich neuer Spieler und neuer Sponsoren, durch Streitigkeiten mit den noch verbliebenen Helfern und den Fans, die der Mannschaft trotz der Misere lautstark die Treue hielten. Die Entwicklung gipfelte in Ehrlichs Aussage, dass er es bedaure, den JFV aufgelöst und den I. SC 05 gegründet zu haben. Wie gesagt: Ehrlich ist Präsident eben dieses I. SC 05!

Diese Woche nun eskalierte die Situation, als Ehrlich seinen Co-Trainer öffentlich mit nahezu unglaublichen Worten abwatschte (http://goettingen.sportbuzzer.de/magazin/ehrlich-bleibt-bis-zum-saisonende-trainer-des-1-sc-05/1219), jener daraufhin vollkommen nachvollziehbar kündigte und die Mannschaft sich im nächsten Schritt verzweifelt an die Öffentlichkeit wandte, weil sie unter Ehrlich nicht weiterarbeiten will (http://goettingen.sportbuzzer.de/magazin/05-spieler-wenden-sich-gegen-trainer-hans-joerg-ehrlich/1233).

Keine sechs Monate nach seiner Gründung liegt der I. SC 05 nun auf der Intensivstation, und es scheint nicht viele Lösungen zu geben. Bleibt Ehrlich am Ruder, droht der sofortige Rückzug in der Oberliga mit einem völlig ungewissen Neustart in der Landesliga. Da bliebe dann als zusätzliche Frage noch das Verhalten der Fans, die inzwischen unisono mit Ehrlich gebrochen haben. Gelänge es, einen Alternativvorstand zu finden, stünde da immer noch das Problem, dass Ehrlich die meisten Mitglieder hinter sich hat – wenn er die Macht nicht abgeben will, wird er sie bei einer Kampfabstimmung vermutlich auch nicht abgeben müssen. Und bleibt er am Ruder, dürfte aus dem I. SC 05 mittelfristig mehr oder weniger ein Jugendförderverein ohne ambitionierte Herrenmannschaft werden.

Der RSV 05 führt unterdessen die Tabelle der Kreisklasse an und hat sich gerade mit einem ehemaligen Regionalligaspieler von Altona 93 verstärkt. Die Atmosphäre zwischen den Vereinen kann man nicht wirklich als entspannt bezeichnen, und von der einst durch die Mitgliederschaft beschlossenen „Drei-Säulen-Lösung“ ist nichts umgesetzt worden. Satt dessen stehen RSV 05 und I. SC 05 längst in Konkurrenz miteinander. Das hat für uns alle persönliche Folgen, denn plötzlich gibt es Probleme mit Menschen, mit denen man bisweilen seit Jahrzehnten zu 05 gegangen ist, und die plötzlich auf der „falschen“ Seite stehen.

Auf welcher Seite ich stehe, weiß ich nicht. Trotz Bauchgrummeln bin ich im Sommer den Schritt zum I. SC 05 mitgegangen, habe aber früh gemerkt, dass mein schwarz-gelbes Herzblut dabei auf der Strecke geblieben ist. Zwar gab es zweimal 05, doch keiner davon war „meiner“. Die absurde Entwicklung des I. SC 05 zunächst unter Wucherpfennig und dann unter Ehrlich ließ mich zunehmend Abstand nehmen, denn deren Verein war offensichtlich nicht meiner. Einziges Bindeglied war die örtliche Fanszene, und irgendwann ging ich nur noch zu den Spielen, weil „es 05 ist“. Aber wo 05 draufstand, war nicht mehr 05 drin. Und so blieb ich im Spätherbst zwei Heimspielen ratlos fern, suchte händeringend nach einer Lösung, die meinem Gefühl entsprach. Ich suche noch immer.

Möglicherweise kommt zumindest ein Teil der Lösung nun von außen, denn die Zeichen, dass sich der I. SC 05 noch in der laufenden Saison aus dem Spielbetrieb zurückziehen wird, sind deutlich sichtbar. Wie es dann weitergeht, steht völlig in den Sternen. Was ich persönlich am meisten bedaure (neben der grundsätzlichen Entwicklung, die zehn Jahre solide Aufbauarbeit durch die Eitelkeiten und narzistischen Persönlichkeiten der beiden Hauptprotagonisten und Verantwortlichen Wucherpfennig sowie Ehrlich binnen weniger Monate zerstörte), ist der Verlust eines wichtigen Teiles meines Soziallebens. Vor sechs Monaten ging ich noch mit guten Freunden vereint zu Fußballspielen. Ich war nie ein Erfolgsfan, und ich habe wahrlich schwere Zeiten mit 05 durchgemacht, Das war mir alles egal, denn ich war 05er und da fragt man nicht nach Spielklasse, Ergebnis oder Erfolgen. Heute weiß ich, wie so viele viele von uns Fans, nicht mehr, was ich eigentlich bin. Immer noch 05er, klar! Aber was ist 05er-sein heute? I. SC 05er und damit Ehrlich-Jünger? Nein! RSV 05er und damit Kreisklasse? Jein. Welche Zukunft wünsche ich mir? ...?

Was mit und um Göttingen 05 passiert ist, ist ein Trauerspiel, das vermutlich als Tragödie enden wird. Und den Namen Göttingen 05 für immer aus der „großen“ Fußballwelt verschwinden lassen könnte.

„Danke“ Michael Wucherpfennig, „Danke“ Hans-Jörg Ehrlich. „One Team, one dream“? Euer Traum ist unser Alptraum!


P.S.: Update von heute: nun ist Ehrlich vom Amt des Trainers zurückgetreten. Als Präsident will er aber "mehr denn je" wirken. Die (durch Aufzeichnungen des Redakteurs belegbare) Berichterstattung im Göttinger Tageblatt bezeichnet er als "frei erfunden". http://www.goettinger-tageblatt.de/Nachrichten/Sport/Themen/Fussball-vor-Ort/Hans-Joerg-Ehrlich-1.-sc-goettingen-05-Trainer
P.P.S.: Auf dem Online-Portal GöKick wurde inzwischen eine Stellungnahme von Hansi Ehrlich veröffentlicht. Demnach ist das Göttinger Tageblatt offenbar an allem Schuld. http://deinsportplatz.de/goekick/artikel.page?id=28689&fb_action_ids=644235928970995&fb_action_types=og.likes&fb_source=aggregation&fb_aggregation_id=288381481237582

Samstag, 2. November 2013

Insolvenzticker: Göttingen 05

Ich will mich mal an einem Update in Sachen Göttingen 05 versuchen. Da gibt es im Grunde genommen allerdings nichts wirklich Neues zu berichten, da alles auf eine für den 11. November 2013 anberaumte außerordentliche Jahreshauptversammlung ausgerichtet ist.

Zur Erinnerung: Vier von fünf Vorstandsmitgliedern des erst am 1. Juli 2013 entstandenen I. SC Göttingen 05 (ehemalige Oberligamannschaft des RSV Göttingen 05) sind vor rund zwei Wochen zurückgetreten. Letztes verbliebenes Vorstandsmitglied war der Sportliche Leiter und Trainer der Oberligamannschaft, Hansi Ehrlich. Allerdings hatte sich zwischenzeitlich herausgestellt, dass der fünfköpfige Vorstand gar nicht beim Amtsgericht gemeldet war und insofern mit Stephan Kazmeier ein Gründungsmitglied des I. SC 05 faktisch letztes verbliebenes Vorstandsmitglied war, der tatsächlich jedoch gar nicht dem Präsidium angehörte.

Kazmeier war es auch, der zur außerordentlichen Mitgliederversammlung einberief, die nun wie erwähnt am 11. November stattfinden wird. Dort soll einerseits über die sportliche und wirtschaftliche Situation des Vereins informiert und andererseits ein neues Präsidium gewählt werden. Kurios dabei ist allerdings, dass von den 128 Mitgliedern des Vereins lediglich eine Handvoll keine Jugendlichen (= Spieler der Jugendmannschaften) sind. Das ist nicht zuletzt Folge eines Vorstandsbeschlusses von Sommer 2013, zunächst keine nicht-aktive Mitglieder aufzunehmen. Damals wurde argumentiert, man wolle verhindern, dass es zu einer "feindlichen Übernahme" durch vereinsfremde Funktionäre kommen könne. Durch die Aufnahmesperre konnten auch die beitrittswilligen Mitglieder der aktiven Fanszene zunächst nicht dem I. SC 05 beitreten.

Trainer und letztes Präsidiumsmitglied Hansi Ehrlich wird sich am 11. November aller Voraussicht nach den Mitgliedern der Wahl zum 1. Vorsitzenden stellen. Da die Jugendabteilung quasi deckungsgleich mit dem ehemaligen JFV Göttingen (Jugendförderverein), der im Sommer 2013 in den I. SC 05 verschmolz und von Ehrlich geführt wurde, ist, gilt seine Wahl als sicher. Wer an Ehrlichs Seite das Präsidium stellen wird, ist nicht bekannt.

Ehrlich stellte sich letzte Woche in einer Diskussion den 05-Anhängern. Dabei versicherte er, es gäbe keine aktuelle Insolvenzgefahr. Er würde sich aber noch einen Überblick über die Finanzen verschaffen. Zugleich bestätigte er, dass Ex-Präsident Michael Wucherpfennig in der Tat über einen Konkursantrag nachgedacht habe. Ehrlich betonte, dass das mit ihm "nicht gegangen" wäre. Das Zerwürfnis im Präsidium bezeichnete er als endgültig. Für die Oberligamannschaft fühlte er sich bislang nicht zuständig, da er hauptverantwortlich für die Jugendabteilung gewesen sei. Wucherpfennig, gegenwärtig auf Geschäftsreise in Indien, wiedersprach dem allerdings via Göttinger Tageblatt: http://goettingen.sportbuzzer.de/magazin/05-junioren-haben-die-wahl/610

Für den Fall seiner Wahl zum Vorsitzenden kündigte Ehrlich Gespräche mit den Spielern an. Man müsse die finanziellen Belastungen reduzieren, um die Saison finanzieren zu können. Wichtigstes sportliches Ziel sei der Klassenerhalt. Ex-Präsident Wucherpfennig wird an der AV teilnehmen. Er steht in der Kritik, weil die Ausgliederung der Oberligamannschaft als I. SC 05 vor allem seiner Initiative zu verdanken war. In einem Bericht des Göttinger Tageblattes am Rande des Heimspiels gegen den 1. FC Wunstorf warfen befragte Zuschauer Wucherpfennig fehlendes Rückgrat vor. http://www.goettinger-tageblatt.de/Nachrichten/Sport/Themen/Fussball-vor-Ort/Fussball-Oberliga-Unmut-und-Hoffnung-haelt-sich-bei-den-Anhaengern-des-1.-SC-05-die-Waage

Medienberichten zufolge hat Wucherpfennig rund 60.000 Euro zum Saisonetat beigesteuert (bzw. zugesichtert) und damit für einen Großteil des Etats gesorgt. Inwieweit diese Gelder tatsächlich geflossen sind bzw. noch zur Verfügung stehen, dazu gibt es zwischen Ehrlich und Wucherpfennig unterschiedliche Aussagen. In Göttingen wartet man also auf den 11. November, an dem sich die Zukunft des jungen Vereins entscheiden wird.

Freitag, 25. Oktober 2013

Insolvenzticker: Göttingen 05

Dies ist ein Beitrag, den ich immer gefürchtet habe. Mein Verein Göttingen 05 taucht im Insolvenzticker auf.

Grund ist eine veritable Führungskrise, nachdem vier der fünf Vorstandsmitglieder binnen kurzem zurückgetreten sind. Darunter der Vorsitzende Michael Wucherpfennig, der gleichzeitig als wichtigster Geldgeber des Vereins fungiert. Für den 13. November ist eine außerordentliche Jahreshauptversammlung anberaumt, auf der lediglich ein Tagesordnungspunkt beraten werrden soll: sportliche und wirtschaftliche Situation.

Der 1. SC Göttingen 05 (fälschlicherweise als I. SC 05 im Vereinsregister eingetragen) entstand erst zum 1. Juli 2013, als die Oberligamannschaft des RSV Göttingen 05 und der Jugendförderverein (JFV) Göttingen zusammengingen. Man übernahm den Oberligastartplatz des RSV 05 und strebte unter dem Slogan "One team, one dream" den Aufstieg in die Regionalliga im Jahr 2015 an. Schon früh kam es zu Dissonanzen im Vorstand vor allem zwischen dem Vorsitzenden und Hauptinitiator der Wiedergründung des 1. SC 05, Michael Wucherpfennig, sowie dem Trainer der Oberligamannschaft und Sportlichen Leiter, Hansi Ehrlich. Ehrlich war zuvor Initiator und Kopf des erfolgreichen JFV Göttingen gewesen.

Wie die Lokalpresse berichtete, verschärften sich die Dissonanzen zwischen den beiden bis zur nun eingetretenen Explosion. Zudem stellte sich heraus, dass der gewählte Vorstand nicht beim Amtsgericht gemeldet wurde, so dass sich lt. Amtsgericht eine Person im Vorstand befindet, die dem Vorstand tatsächlich gar nicht angehört. Angesichts dessen, dass nur ein Mitglied des gewählten Vorstand im Amt befindet eine schwierige Situation.

Die Zukunft des Vereins ist derzeit unsicher. Zum Ligaspiel am Sonntag um 14 Uhr im Jahnstadion gegen den 1. FC Wunstorf wird die Mannschaft nach Aussage von Trainer Ehrlich in jedem Fall antreten. Ob der Oberliga Niedersachsen nach Emden und Nordhorn (2011/12) und Holthausen-Biene sowie Heeslingen (2012/13) erneut ein Pleiteklub in der laufenden Saison droht, bleibt abzuwarten.

Weitere Infos auf Göttinger Tageblatt: http://www.goettinger-tageblatt.de/Nachrichten/Sport/Sport-vor-Ort/1.-SC-05-Goettingen-nach-Ruecktritten-mit-finanziellen-Problemen

Der I. SC Göttingen 05 sieht sich in der Tradition des 2003 insolvent gegangenen 1. SC 05. An dessen Stelle war seinerzeit der neugegründete 1. FC Göttingen 05 getreten, der 2005 mit dem langjährigen 1.-SC-05-Jugendpartner RSV Geismar zum RSV Göttingen 05 fusionierte. Der RSV Göttingen 05 existiert auch nach der Auslagerung der Oberligamannschaft als I. SC 05 weiter und spielt gegenwärtig mit seiner ersten Mannschaft in der 1. Kreisklasse.

Samstag, 18. Juni 2011

Tschüß Benzstraße

Mir steht heute ein überaus beschwingter und zugleich sehr schwerer Fußballgang bevor.

Um 17 Uhr wird auf dem Sportplatz an der Benzstraße in Göttingen-Geismar das letzte RSV-05-Spiel der Saison gegen den VfL Oker angepfiffen. Alle Entscheidungen sind bereits gefallen: Oker ist abgestiegen, 05 Meister und aufgestiegen. Ab 19.30 Uhr fließt das Freibier, und morgen um 3 wird die 05-Mannschaft am Gänseliesel von ganz Göttingen gefeiert werden (na, R. Emme-Weiß kommt vermutlich nicht).

Soweit zum "beschwingten" Teil des Tages.


Der "schwere" Teil ist ein Abschied. Abschied von der Benzstraße, wo 05 in der nächsten Saison nicht mehr spielen darf. Anwohnerproteste haben dazu geführt, dass die Schwarz-Gelb-Grünen umziehen müssen und aller Voraussicht nach 2011/12 in der Oberliga Niedersachsen im Jahnstadion auflaufen werden. Ich werde Tränen in den Augen haben, wenn wir "Tschüß" sagen zur "Benze". Nicht etwa, weil es so ein toller Sportplatz war - ganz im Gegenteil: der Rasen ist selbst für Landesligaverhältnisse besch..., es gibt keinen einzigen Sitzplatz geschweige denn eine Tribüne, und im Grunde genommen gibt es auch nur eine Gerade, die wir 05-Fans dennoch "Gegengerade" nennen. Der alte Platz des RSV Geismar ist eben ein schlichter "Dorfplatz" mitten in der Stadt.

Aber er hat Seele! Seele, die ihm von den Mitgliedern der Fusionsvereine RSV Geismar und Göttingen 05 eingehaucht worden ist. Als der 1. SC 05 das Zeitliche segnete, kam es zum Zusammenschluss mit dem RSV Geismar, mit dem seit längerem eine Kooperation im Jugendbereich bestanden hat. Eine Saison lang kickten "wir" als RSV Geismar, seit 2005 trägt der Verein nun den Namen RSV Göttingen-Geismar 05, Kurzname (laut Satzung!) RSV Göttingen 05. Dass es eine gelungene Fusion wurde, hat viel mit der Benze zu tun. Mir gefiel von Anfang an das Familiäre auf dem alten RSV-Platz. Viele Eltern kamen mit ihren Kindern, und plötzlich hatten wir eine ganz andere Atmosphäre als früher bei den 1. SC 05-Spielen im Jahnstadion. Wir "alten" 05-Fans haben derweil von Beginn an großen Wert darauf gelegt, das "RSV" zu pflegen und nicht mehr von "schwarz-gelben" Farben zu singen, sondern von "schwarz-gelb-grünen".

In den letzten sechs Jahren habe ich es sehr genossen, an der engen und, bei gutem Besuch, überaus kompakten "Benze" Fußball zu gucken. Da es nur eine Gerade gibt, trifft man eigentlich jeden irgendwann mal, und es entsteht ein wirklich enges Verhältnis zwischen Besuchern aller Katergorien. Das wird sich nun im Jahnstadion wieder ändern, wenn die "gesetzteren" Herren (und Damen) auf die Tribüne marschieren und der Rest auf der Gegengerade Krach macht.

So oder so - die Benzstraße wird für mich immer synonym mit der Neugeburt von Göttingen 05 als RSV 05 verbunden bleiben. Hier wird auch weiterhin das Herz des Vereins schlagen. Fußball gucken wir fortan im Jahner, unser Bier aber trinken wir weiterhin bei Willy und Marianne.

Tschüß Benze!

Dienstag, 14. Juni 2011

Neue alte Gesichter

Die Renaissance der Traditionsvereine im höherklassigen Amateurfußball setzt sich fort. Am Wochenende schafften mit Waldhof Mannheim und Göttingen 05 zwei weitere ehemalige Profiklubs die Rückkehr in die Regional- respektive Oberliga.

Waldhof Mannheim stellte dabei in seinem abschließenden und entscheidenden Heimspiel gegen den FV Illertissen mit 18.313 Zuschauern einen neuen Fünftligarekord auf. Die Riesenkulisse feierte einen 6:0-Sieg der Blau-Schwarzen, der auch ohne die 0:3-Heimniederlage des FC Nöttingen gegen den FC Villingen 08 zur Rückkehr in die Regionalliga gereicht hätte.
Lange Zeit hatte es nicht nach einem Happy End für den sportlich wie wirtschaftlich abgestürzten Ex-Bundesligisten ausgesehen. Nach dem Abstieg aus der 4. Liga 2009/10 hatten der Sportliche Leiter Günter Sebert sowie Trainer Reiner Hollich vor einem völligen Neuaufbau gestanden. Der schien zunächst nicht zum Erfolg zu führen, denn im März 2011 lagen die Waldhöfer noch 13 Punkte hinter dem FC Nöttingen, den die Kurpfälzer anschließend in einem mitreissenden Kraftakt jedoch noch einholten. Am vorletzten Spieltag gelang schließlich erstmals der Sprung auf Platz 1. Mit Waldhof kehrt ein ausgewiesener Traditionsklub in die Regionalliga zurück, der mit seiner großen Fanschar überall für volle Kassen sorgen wird.

Volle Kassen für die Gegner und das Aufholen eines gewaltigen Punkterückstandes zeichnete auch den in die Oberliga Niedersachsen aufgestiegenen Ex-Zweitligisten Göttingen 05 aus. Dabei handelt es sich allerdings um den RSV Göttingen 05, der aus einer Fusion zwischen dem RSV Geismar und dem aus den Trümmern des 2003 aufgelösten 1. SC Göttingen 05 gebildeten FC Göttingen 05 entstand. Die Schwarz-Gelb-Grünen begannen 2003 in der Bezirksklasse. Begleitet von einem stetig zunehmenden Faninteresse entwickelte sich der an der Benzstraße in Göttingen-Geismar spielende Klub zwar nur langsam, dafür aber stetig. Heute zählt die breit aufgestellte Nachwuchsarbeit zu den Säulen des Vereins, der sich als neuer Klub begreift, zugleich aber die Tradition des 1. SC Göttingen 05 fortsetzen will. Unter den Fans sind viele "Alt-05er", aber auch zahlreiche erst über den RSV 05 zum Verein gestoßene Anhänger.
Zur Halbserie lagen die 05er noch mit 13 Punkten Rückstand auf den damaligen Tabellenführer FT Braunschweig abgeschlagen im Mittelfeld. Auch Lokalrivale SVG Göttingen rangierte vor den Schwarz-Gelb-Grünen. In einer phantastischen Rückserie holte die Elf von Trainer Jozo Brinkwerth Punkt um Punkt auf und lockte dabei immer größere Kulissen an. Zum Lokalderby gegen die SVG kamen rund 2.700 Zuschauer, was für Göttinger Verhältnisse eine enorme Kulisse ist.
Am gestrigen Pfingstmontag wurde der Titelgewinn schließlich unter Dach und Fach gebracht, da der letzte verbliebene Rivale FT Braunschweig überraschend mit 2:3 in Einbeck unterlag, während 05 spielfrei war. Das abschließende Heimspiel gegen den VfL Oker am kommenden Samstag hat damit nur noch statistischen Wert. Es ist allerdings zugleich das letzte auf dem Sportplatz an der Benzstraße, wo die 05er aufgrund von Anwohnerbeschwerden nicht weiterspielen dürfen. Die Spiele der Oberliga Niedersachsen werden voraussichtlich im Jahnstadion ausgetragen.

Sonntag, 21. März 2010

Destination: Hillerse

Endlich! Seit dem 8. November 2009 habe ich kein Spiel des RSV Göttingen 05 mehr gesehen. Das einzige, das zwischenzeitlich stattfand, verpasste ich, weil ich grade in Bristol war. Nun scheint das Warten (über 4 Monate!) endlich ein Ende zu haben. Aus Hillerse kam nämlich gerade grünes Licht, so dass ich mich nun gemütlich auf den Weg in die kleine Gemeinde zwischen Hannover und Braunschweig machen werde.
Damit fängt zugleich das Unternehmen "Wolfenbüttel abfangen" an. Der MTV hat derzeit satte 12 Punkte Vorsprung, allerdings auch zwei Spiele mehr als 05 ausgetragen. Hillerse ist Zweiter - es gibt heute also gleich ein Gipfeltreffen. Hoffen wir, dass die Rückkehr der Helden mit dem richtigen Resultat endet...

Sonntag, 28. Februar 2010

Endlich wieder 05


Kaum zu glauben, aber wahr: Das letzte Spiel, das ich von "meinem" RSV Göttingen 05 sah, fand am 8. November 2009 statt. Nach dem damaligen 5:0 im Lokalderby gegen Weende gab es zwar noch ein weiteres Spiel (am 22. November leider mit 0:1 in Wolfenbüttel verloren), doch da war ich gerade in England.
Seitdem: Nichts! Über drei Monate kein Ligaspiel, und so, wie es hier im südlichen Niedersachsen aussieht, wird auch mein vierter spielfreier Monat in Folge sicher noch voll werden. Absurd!
Heute werde ich die Helden in Schwarz-Gelb-Grün aber zumindest mal wieder in einem Testspiel sehen. Normalerweise geben mir die winterlichen Testspiele nicht viel. Meist schlechtes Wetter, der Thrill der Neuzugänge und der Erwartungshaltung vor der Saison fehlt und mitten in der Saison muss es irgendwie einfach um Punkte gehen.
Doch heute mache ich mal eine Ausnahme, zumal 05 quasi zu mir nach Hause kommt. Um 12.30 Uhr steht auf dem Duderstädter Kunstrasenplatz am Westerborn ein Match gegen Altrivale TSV Landolfshausen an. Wenn schon nicht um Punkte...