Dienstag, 1. Juni 2010

Insolvenzticker: SSV Reutlingen 05

Nachdem das Insolvenzgericht Tübingen am heutigen Dienstag das Insolvenzverfahren über das Vermögen des SSV Reutlingen 05 eröffnet hat, kann der Klub wie geplant 2010/11 in der Oberliga Baden-Württemberg antreten.
„Dies ist ein nächster wichtiger Schritt zur geplanten Neuausrichtung des Vereins.“, wird Insolvenzverwalter Dr. Axel Kulas auf der Vereinshomepage zitiert. Die Gläubigerversammlung ist für den 21. Juli 2010 geplant.

Insolvenzticker: Crystal Palace II

Crystal Palace ist gerettet!
In buchstäblich letzter Minute wurde Einigkeit erzielt, dass die von Palace-Fans angeführte Gruppe regionaler Geschäftsleute mit dem Namen "CPFC 2010" sowohl den Klub als auch das Stadion Selhurst Park erwerben wird. Damit sind die Voraussetzungen für ein Überleben des Vereins gegeben.
Crystal Palace wird demnach in der Saison 2010/11 in der Championship (2. Liga) antreten.

Insolvenzticker Crystal Palace

Der insolvente englische Zweitligist Crystal Palace ist akut vom Aus bedroht. Wenn bis heute um 15 Uhr Ortszeit kein neuer Käufer für den Verein gefunden werden, droht dem Klub die Auflösung.
Eine "CPFC 2010" genannte Gruppe lokaler Geschäftsleute um die Palace-Anhänger Steve Parish und Martin Long steht bereits seit März bereit, den im Januar 2010 vom Hedge Fund "Agilo" ins Insolvenzverfahren geschickten Klub zu übernehmen.
Die Übernahme ist bislang jedoch nicht zustande gekommen, weil CPFC 2010 den Verein nur dann übernehmen will, wenn auch die Zukunft des Stadion Selhurst Park gesichert ist. Das Palace-Stadion befindet sich im Besitz der Bank of Scotland, die es gleichfalls verkaufen will. Potenzieller Käufer ist ebenfalls das CPFC 2010-Konsortium, das sich auch bereits mit der Bank of Scotland geeinigt hatte, nach dem daraufhin vorgelegten Vertrag seitens der Bank aber einen Rückzieher machte und das Verhalten der Bank of Scotland auf der Palace-Homepage als "unakzeptabel" bezeichnete.
Hintergrund ist die Frage eines möglichen Verkaufs des Geländes an potenzielle Investor. Die Bank of Scotland ist zwar bereit, das Gelände zu einem geringeren Preis als den aktuellen Grundstückspreisen abzugeben, will aber von einem eventuellen Verkauf bzw. Profit des Geländes in der Zukunft profitieren. CPFC 2010 gibt an, ein solcher Passus wäre vereinbart, die Bank wolle aber auch an einem möglichen Profit teilhaben, der durch sportliche Erfolge oder durch bauliche Erweiterung des Stadions erzielt würden.
"Jeder weiß, dass der Selhurst Park ein elementarer Bestandteil der langfristigen Zukunft des Klubs ist, und CPFC 2010 wird den Klub nicht ohne das Stadion übernmehmen", heißt es in einem Statement des CPFC 2010.
Palace-Insolvenzverwalter Brendan Guilfoyle kündigte daraufhin an, dass er im Falle eines Scheiterns der Verhandlungen Spieler verkaufen werde und das Auflösungsverfahren zu starten, sollte sich kein Käufer für den Klub finden.
Crystal Palace entging in der abgelaufenen Saison am letzten Spieltag durch ein 2:2 im Kellerduell bei Sheffield Wednesday mit letzter Kraft dem Abstieg aus der 2. Liga.

Montag, 31. Mai 2010

Insolvenzticker: Rot-Weiss Essen

Mit Rot-Weiss Essen steht der nächste Traditionsklub vor dem Aus.
Nach einer sportlich äußerst turbulenten und unterm Strich wenig zufriedenstellenden Spielzeit 2009/10, die darüber hinaus von einem Dauertheater um den Stadionneu- bzw. umbau begleitet war, sorgte die Entscheidung der Stadt Essen, dem Klub keine weitere Unterstützung zu gewähren für den nächsten Schock. Essens Oberbürgermeister Reinhold Faß teilte RWE am heutigen Montag mit, die für Lizenzerteilung notwendigen 2,7 Millionen Euro nicht zur Verfügung zu stellen.
Damit steht RWE unter gehörigem Druck, denn bis zum Freitag 15.30 Uhr muss der Traditionsverein eine Liquiditätsreserve in Höhe von 2,7 Mio. Euro nachweisen, um die Lizenz für die Regionalligaspielzeit 2010/11 zu bekommen. RWE wird nun die im Lizenzierungsverfahren 2009 von der städtischen Grundstücks-Gesellschaft GVE beim DFB hinterlegte Bürgschaft abrufen. Dies ist ein bislang einmaliger Vorgang im deutschen Profifußball, für den es beim DFB keinen Präzedenzfall gibt.
Ob der DFB die gesammte Summe auszahlt, ist zudem völlig offen. Sollte der DFB nicht zustimmen, drohen RWE der Zwangsabstieg und die Insolvenz.
Vorstandsmitglied Thomas Hermes verkündete auf der vereinseigenen Website: "Ohne fremde Hilfe schaffen wir es nicht. Sollte der DFB die Auszahlung der Bürgschaft nicht genehmigen, muss RWE bis Freitag, 15.30 Uhr, 2,7 Mio. € besorgen. Ich sage es ganz deutlich: Wir schaffen es nicht alleine und brauchen Hilfe. In der 103-jährigen Geschichte unseres Vereins ist die aktuelle Situation existentiell bedrohlich."
Auf einer Pressekonferenz des Vereins erläuterte Hermes weiterhin: "Wir hatten in vertraulichen Gesprächen mit den Stadtvertretern das Gefühl, dass die Stadt uns noch einmal unter die Arme greifen wird. Wir haben auf eine letzte Chance gehofft. Doch zu unserem Bedauern wird es diese von Seiten der Stadt nicht mehr geben. Der Oberbürgermeister hat uns zu verstehen gegeben, dass sich bei RWE nichts tut und er keine positive Zukunft für den Klub sieht. Seiner Meinung nach ist trotz des neuen Vorstands alles beim alten geblieben. Im schlimmsten Fall müssten wir klären, was für Rot-Weiss Essen das Beste wäre. Die NRW-Liga oder eine neue Vereinsgründung? Bei einem Klub mit einer 103-jährigen Tradition ist dies eine mehr als schwere Entscheidung. Mit so einem Szenario werden wir uns aber erst auseinandersetzen, wenn es wirklich so weit auch sein sollte."
Sollte das Aus in diesem Sommer verhindern werden können, droht RWE für den Sommer 2011 ein vergleichsweises Drama, da die städtische GVE dann sehr wahrscheinlich ihre Bürgschaft zurückfordern würde. Hermnes: "Natürlich könnte die Stadt Essen nächstes Jahr zu uns kommen und diese Summe einfordern. Jedoch würden wir uns dann vor dem Essener Landgericht wiedersehen. Unserer Meinung nach liegt hier nicht die Schuld beim Verein, sondern bei den ehemaligen handelnden Personen, die mit einem Fünf-Jahres-Plan in Essen angetreten sind, der längst nicht mehr aktuell ist. Es würde zu einem Rechtsstreit kommen."

Freitag, 28. Mai 2010

Klubporträt: Hertha Zehlendorf

Es mag unglaublich klingen, doch in der großen weiten Fußballwelt dürfte Hertha Zehlendorf manchenorts auf einer Bekanntheitsstufe mit dem FC Bayern München stehen. Die „kleine Hertha“ ist nicht nur eine der größten und erfolgreichsten Nachwuchswiegen im deutschen Fußball (bisweilen waren über 70 Mannschaften im Spielbetrieb!), sondern zählt auch zu den engagiertesten Förderern und Botschaftern des deutschen Fußballs in der ganzen Welt. Es dürfte kaum ein Land auf der Welt geben, wo noch keine Mannschaft von Hertha Zehlendorf angetreten ist, und der Eindruck, den die selbsternannten „sportlichen Botschafter“ dabei hinterließen, ist für gewöhnlich makellos. Auch die Liste späterer Bundesligaspieler, die der Deutsche A-Jugendmeister von 1970 und B-Jugendmeister von 1988 hervorgebracht hat, ist bemerkenswert. Auf ihr stehen Größen wie Helmut Faeder, Volkmar Groß, Uwe Kliemann (der als Jugendlicher aus Lichterfelde kam), Wolfgang Sühnholz, Norbert Stolzenburg, Christian Sackewitz, Karsten Bäron, die Brüder Niko und Robert Kovac, Thorben Marx, Malik Fathi, Sejad Salihovic und natürlich Pierre Littbarski, ein Spieler, der Hertha Zehlendorf viel Ruhm eingebracht hat. Seine Nachwuchsarbeit hat dem über Jahrzehnte von Otto Höhne angeführten Verein auch im Seniorenbereich eine führende Position im Berliner Spitzenfußball eingebracht. Von 1953 bis 1963 gehörte Hertha Zehlendorf mit Ausnahme einer Saison zu den Stammmitgliedern der Oberliga Berlin, und aus der Regionalliga Berlin schied man erst aus, als die Klasse 1974 aufgelöst wurde. Höhepunkte waren die Teilnahmen an der Bundesliga-Aufstiegsrunde 1969 und 1970, in der der Verein freilich an seine Grenzen stieß. So gern man in Zehlendorf das „Abenteuer Bundesliga“ gewagt hätte (und Talente wie Kliemann und Sühnholz hätten es sportlich durchaus erlaubt), so risikoreich wäre das Unterfangen auch gewesen. Letztendlich klappte es sportlich in beiden Anläufen nicht, und 1979 scheiterten die Zehlendorfer in der Relegation zur 2. Bundesliga-Nord nur knapp am OSC Bremerhaven. Anschließend gehörten die Blau-Weißen mehr als ein Jahrzehnt zu den Spitzenteams der höchsten Berliner Amateurliga, erreichten 1991 problemlos die Amateuroberliga Nordost und qualifizierten sich 1994 auch für die eingleisige Regionalliga Nordost. Dort gestaltete sich der Alltag ein weniger schwieriger, und 1998 musste Hertha 03 zum ersten Mal seit 1954 wieder aus einer Spielklasse absteigen. 2000 wurde der in der Oberliga von seinen Fans verlassene Klub in die Verbandsliga (heute Berlin-Liga) durchgereicht. Zudem kam es zu wirtschaftlichen Turbulenzen, da man sich 2003 bei den Feierlichkeiten zum 100. Geburtstag übernommen hatte und eine happige Nachzahlungsforderung der Berufsgenossenschaft aus Regionalligatagen eingetrudelt war. Hertha Zehlendorf ist bis heute ein besonderer Verein. 60 Prozent des Etats gehen in die Jugend, nur 20 Prozent werden für die 1. Herren aufgewendet. Während dort selten mehr als 80 Zuschauer auftauchen, lockt die B-Jugend-Bundesliga locker das Dreifache an. Für sein vielfältiges Engagement und seine erfolgreiche Arbeit hat der Klub unzählige Ehrungen erhalten und steht mit seinem Motto „Die Jugend ist unsere Zukunft!“ unverändert zu seinen Prinzipien, die ihn seit über einem halben Jahrhundert auszeichnen. Hertha Zehlendorf ist zweifelsohne einer der ganz Großen im Lande – auch wenn er spielklassentechnisch eher klein geworden ist.

Dieser Artikel stammt aus dem "großen Buch der Deutschen Fußballvereine"
(Agon Sportverlag, ISBN: 3-89784-3622, 528 Seiten, Hardcover, 39,90 €)

Mittwoch, 26. Mai 2010

Fußballmärchen Arles-Avignon

Ich hatte ja schon aus Frankreich ein bisschen über den AC Arles-Avignon geblogt. Nun ist der Klub tatsächlich aufgestiegen. Hier nun mein Artikel auf sportal.de dazu.
http://www.sportal.de/sportal/generated/article/fussball/2010/05/25/16768100000.html

Dienstag, 25. Mai 2010

Insolvenzticker: Tennis Borussia Berlin

Während am Samstagabend in Madrid zwischen Inter Mailand, dem FC Bayern und der Stadt Madrid schlappe 350 Millionen Euro ausschüttet wurden, musste mit Tennis Borussia Berlin ein weiterer Regionalligist einen Insolvenzantrag stellen. Grund: Den Veilchen aus dem Mommsenstadion fehlt eine halbe Million Euro, um die Saison beenden zu können. "Es gibt keine andere Möglichkeit“, wird der für die TeBe-Finanzen zustände Christian Schwarzkopf im "Tagesspiegel" zitiert.
Damit steht Tennis Borussia Berlin automatisch als Absteiegr aus der Regionalliga Nord fest. In welcher Klasse die Veilchen 2010/11 an den Start gehen, ist noch ofen. Der Klub baut darauf, ibn der Oberliga spielen zu können, laut Schwarzkopf „mit einem Mini-Etat von 100 000 bis 150 000 Euro“. Hauptgläubiger des Klubs sind das Finanzamt, die Krankenversicherungen und andere Sozialversicherungsträger.
Tennis Borussia leidete seit vielen Jahren unter finanziellen Schwierigkeiten. Seit Herbst 2009 haben die Spieler nur sporadisch Abschlagszahlungen auf ihre Gehälter bekommen. Zuletzt hatte der Klub einen obskuren Geldgeber präsentiert, der kurzfristig 500 000 Euro zugesagt und in der kommenden Saison 1,5 Millionen Euro zahlen wollte. Geld ist aber zu keiner Zeit geflossen, und auch die mit viel Pomp präsentierte Verpflichtung von Werner Lorant als Sportdirektor erwies sich als Flop.
Unterdessen wurde ein am "Karneval der Kulturen" teilnehmender Wagen von TeBe-Fans (Motto: "We save TeBe") am gestrigen Sonntag von einer Gruppe Hertha-Fans attackiert. Der "Tagesspiegel" berichtet: "Demnach fuhren die TeBe-Mitglieder gerade an der Kneipe "Kreuzkeller" in der Yorckstraße vorbei, als sechs oder sieben Personen aus der Kneipe stürmten, den Wagen mit Gläsern bewarfen und ein Transparent abrissen. Augenzeugen berichten, es habe sich dabei um Fans von Hertha-BSC gehandelt. Der Kreuzkeller gilt als Treffpunkt der Ultra-Szene. Die Polizei hat zwei Personen festgenommen, will aber erst später am Tag genauere Angaben zu dem Vorfall machen. Wie TeBe-Mitglieder berichten, haben sie nach dem Übergriff den Wagen zunächst gestoppt und die Polizei berufen. Während sie auf die Beamten warteten, seien sie von Personen, die vor der Kneipe standen, schwulenfeindlich beleidigt und bedroht worden. Die Vereinsmitglieder baten schließlich die Polizei, sie bis zum Ende des Zuges, noch etwa 100 Meter, zu begleiten. Tatsächlich hätten rund 20 Beamte den Wagen des Fußballvereins geleitet, so ein Vereinssprecher."
Die Anhänger von Tennis Borussia Berlin engagieren sich seit langem aktiv gegen antisemitische und rassistische Tendenzen im Fußball und bekennen sich zum jüdischen Erbe ihres Klubs.