Montag, 25. März 2013

Insolvenzticker: SC Veendam

Der niederländische Zweitligist SC Veendam steht vor dem Aus. Heute soll auf einer Pressekonferenz bekanntgegeben werden, dass die Schuldenlast in Höhe von 1,1 Mio. Euro zu hoch ist und die Auflösung bevorsteht. Lediglich ein Viertel des Betrages konnte aufgetrieben werden.

Hauptsponsor Koos Gialtema erklärte vor der für 14 Uhr terminierten Pressekonferenz: "Wenn kein Wunder passiert, hört der Klub auf zu bestehen".


Der Klub reicht zurück bis in das Jahr 1894 und ist damit einer der ältesten Fußballvereine der Niederlande. 1954 waren die Schwarz-Gelben bei der Gründung der Profinationalliga Eredivisie dabei, stiegen aber sofort ab. Die meiste Zeit verbrachte Veendam anschließend in der zweithöchsten Liga "Eerste Divisie". Lediglich 1986/87 und 1988/89 gab man zwei weitere, jeweils einjährige Gastspiele in der Eredivisie. 1974 separierten sich die Profis als SC Veendam, aus dem später BV (Betaalde Voetbal) Veendam wurde.


Seit der Saison 2009/10 kämpft der BVV mit immensen wirtschaftlichen Schwierigkeiten und wurde am 28. April 2010 für Insolvent erklärt. Seinerzeit gelang es, mittels Einspruch und Spendengeldern das Aus zu verhindern. 2011 wurde aus dem BVV jedoch wieder der SC Veendam.


Diesmal jedoch scheint jede Hilfe zu spät zu kommen, droht einer der traditionsreichsten Profivereine zu verschwinden.


http://www.sc-veendam.nl/ 

Donnerstag, 21. März 2013

Insolvenzticker: FC Oberneuland


Der Bremer Regionalligist FC Oberneuland wartet noch immer auf seine Gelder aus dem DFB-Pokalspiel gegen Borussia Dortmund im Sommer 2012. "Das Geld ist noch nicht da", bestätigte Präsident Holger Micheli gegenüber dem "Weser-Kurier". Noch nicht einmal die zu erwartende Summe aus dem Pokalspiel ist dem Bremer Viertligisten bekannt.
 
Davon unabhängig hat sich die finanzielle Lage bei den Rot-Weißen aber insgesamt verschärft. Der FC Oberneuland ist seit vielen Jahren einseitig von Präsident Micheli abhängig, der zunehmend Ermüdungserscheinungen zeigt. Der "Weser-Kurier" zitierte den FCO-Geldgeber mit den Worten: "Ich bin in der Baubranche tätig und damit konjunkturellen Schwankungen unterworfen - also bin ich weder bereit noch in der Lage, zukünftig diese riesigen Beträge zu investieren."


Micheli sucht nun einen Sponsoren, der bereit ist, jährlich rund 300.000 Euro in den FCO zu stecken. Den sportlichen Klassenerhalt vorausgesetzt, will der Verein in jedem Fall für die nächste Regionalligasaison melden. 

Weitere Infos: http://www.weser-kurier.de/sport/bremen6_artikel,-Geldsorgen-in-Oberneuland-_arid,526918.html

Montag, 18. März 2013

Wacker 04 Berlin - eine Legende verschwindet

Mit Wacker 04 Berlin verbinden mich sehr persönliche Erfahrungen. 1976 war der Wackerweg in Berlin-Reinickendorf Ziel meines allerersten Auswärtsspiels mit Göttingen 05. Damals spielten sowohl Wacker als auch 05 noch in der 2. Bundesliga-Nord und standen im öffentlichen Focus.

Während 05 2003 die Grätsche machte, inzwischen aber wieder in der Oberliga Niedersachsen angekommen ist, verschwand Wacker 04 seit 1994 klammheimlich aus der Wahrnehmung. Bereits am 2. Juni 1994 wurde der Klub nach Konkurs liquidiert. Während die früheren Vereinsmitglieder dem Kiezrivalen BFC Alemannia 90 beitraten, wurde die Ligamannschaft der Lila-Weißen in die des BFC Alemannia 90 integriert, die fortan als SG Wacker-Alemannia auftrat. 1998 wurde die Bezeichnung in BFC Alemannia 90-Wacker geändert, wobei das eigentlich ein Kunstbegriff war, denn tatsächlicher Trägerverein war der BFC Alemannia 90.

Nun verschwindet der Name "Wacker" endgültig aus dem Fokus, denn Klubpräsident Heinz Schultze gab gegenüber der "Fuwo" bekannt, dass der Namenszusatz zur Saison 2013/14 fallengelassen wird. In einem Interview mit der "Fuwo" erläutert Schultze die Hintergründe: http://www.myfussi.de/fussball-woche/artikel.page?id=10129

Hier ein Text aus meiner Feder über Wacker 04, der 2010 in "Nordsport" erschien:

Am 17. Juni 1978 erreichte Holstein Kiel mit einem 1:0 über Wacker 04 Berlin die 2. Bundesliga-Nord. Während die Störche inzwischen wieder von der 2. Liga träumen, ist ihr Gegner aus Berlin Geschichte geworden.

Nichts ist geblieben von dem Ruhm aus 90 Jahren akribischen Schaffens im Berliner Spitzenfußball. Wer heute an den Wackerweg im Nordberliner Bezirk Reinickendorf kommt, sieht dort nichts mehr vom SC Wacker 04, der einst in der 2. Bundesliga-Nord kickte und eine Zeitlang sogar Hoffnungen auf die 1. Bundesliga hegte.

Seit dem 2. Juni 1994 ist Wacker 04 Berlin Geschichte. Die ehemaligen Mitglieder des an jenem Tag aufgelösten Klubs traten dem benachbarten Erzrivalen BFC Alemannia 90 bei, dessen Ligamannschaft heute in der siebtklassigen Landesliga aufläuft und als Reminiszenz an den verblichenen Altrivalen den Kampfnamen BFC Alemannia 90-Wacker trägt. Doch schon die blau-gelbe Spielkluft macht deutlich, wie wenig von der Wacker-Tradition tatsächlich übriggeblieben ist: Blau-Gelb sind die Farben des BFC Alemannia, während das Lila-Weiß des SC Wacker 04 nirgendwo mehr auftaucht.

Alemannia 90 und Wacker 04 hatten sich seit den 1920er Jahren einen erbitterten Zweikampf um die fußballerische Dominanz in Berlin-Reinickendorf geliefert. Zunächst hatte Alemannia 90 die Nase vorn, doch schon in den 1930er Jahren übernahm Wacker 04 erstmals die Führung. Mit Fritz Bache hatte der Klub bereits einen Nationalspieler gestellt, als er 1935 in die höchste Spielklasse Gauliga Berlin aufstieg und dort fortan mit den Großklubs der damaligen Reichshauptstadt konkurrierte.

Nach dem Zweiten Weltkrieg zählte Wacker 04 zu den Gründungsmitgliedern der Oberliga Berlin und erreichte 1946/47 mit Platz drei die beste Position seiner Geschichte. Mit einem Zuschauerzuspruch von 3.000 bis 5.000 bewegten sich die Veilchen im gehobenen Durchschnitt des Spitzenfußballs in der geteilten Stadt.

Als 1963 die Bundesliga eingeführt wurde, beantragte Wacker 04 gar nicht erst die Lizenz sondern konzentrierte sich auf die nunmehrige Regionalliga Berlin. Dort belegten die Reinickendorf während der 1960er Jahre stets einen guten Mittelfeldplatz, ehe sie 1970/71 als Vizemeister erstmals die Aufstiegsrunde zur Bundesliga erreichten. Eine bittere Erfahrung. Nach fünf Niederlagen in sechs Spielen sahen nur noch 500 Unverdrossene beim unbedeutenden 0:2 gegen Borussia Neunkirchen zu. Unter seinem langjährigen Präsidenten und Sponsor Fritz Herz entwickelte der Klub trotz bescheidener Besucherzahlen (durchschnittlich kamen kaum noch 1.000 Neugierige an den Wackerweg) dennoch Ambitionen auf das Oberhaus und wollte Berlins zweiter Bundesligist nach der Hertha werden.

Im vierten Aufstiegsrundenanlauf lief es 1974 besser. Die von Ex-Hertha-Profi Klaus Basikow trainierten Lila-Weißen starteten mit einem 1:0 in Saarbrücken, fegten anschließend den 1. FC Nürnberg mit 5:0 vom Platz und begrüßten im Spitzenspiel gegen Eintracht Braunschweig prompt mehr als 25.000 Zuschauer im Olympiastadion. Doch die Niedersachsen holten Wacker beim 3:1-Sieg auf den Boden zurück und zerstörten die lila-weißen Bundesligaträume.

Danach begann die schleichende Talfahrt. Von 1974 bis 1977 verdingte sich Wacker 04 bei dramatisch sinkenden Zuschauerzahlen und ähnlich dramatisch zunehmenden wirtschaftlichen Sorgen noch in der 2. Bundesliga-Nord, kehrte 1978 gemeinsam mit der KSV Holstein ins Halbprofilager zurück und musste am Saisonende erneut absteigen. Zwei Jahre später verschwand der von seinen Fans verlassene Verein bereits in der Landesliga.

Ein letztes Aufbäumen sah die Veilchen von 1987 bis 1992 noch einmal für fünf Jahre in der höchsten Berliner Spielklasse mitmischen. Doch ihre Basis war längst weggebrochen. Als Wacker 04 1992 zum letzten Mal aus dem Berliner Amateuroberhaus abstieg, hatten den 17 Heimspielen des Klubs durchschnittlich 122 Zahlende beigewohnt.

Zwei Jahre später gingen am Wackerweg die Lichter aus. Finanziell war der Klub völlig am Ende, so dass der Spielbetrieb nur durch eine Spielgemeinschaft mit Nachbar BFC Alemannia 90 aufrechterhalten werden konnte. Noch immer dabei war die „gute Seele“ des Vereins Fritz Herz, der Wacker 04 durch alle Höhen und Tiefen gesteuert hatte.

Bis 1998 lief man als SG Alemannia 90-Wacker auf, seitdem trägt lediglich die Ligamannschaft des BFC Alemannia 90 den Namenszusatz „Wacker“.
 
 

Freitag, 15. März 2013

Insolvenzticker: Wuppertaler SV

Der Wuppertaler SV hat in allerletzter Sekunde die Hürde für einen Lizenzantrag für die Regionalligasaison 2013/14 übersprungen. Dem Klub hatte eine Bürgschaft in Höhe von 35.000 Euro gefehlt. Retter war einmal mehr der zurückgetretenen und vielfach angefeindete Ex-Präsident Friedhelm Runge.

Dennoch scheint die Situation im Stadion am Zoo sehr festgefahren zu sein. Beim letzten Auswärtsspiel der Rot-Blauen gegen Schalke 04 U23 hatten WSV-Anhänger massiv gegen den Vorstand und auch Runge demonstriert: http://www.reviersport.de/articles-225401.html

Allgemeiner Aufruf: Fanbilder gesucht!

Ich brauche Eure Hilfe: Für einen Bild-Textband über 50 Jahre Fankultur in der Bundesliga bin ich auf der Suche nach Fotos aus alten und auch nicht so alten Tagen.

Ich suche vor allem: Fotos von Fanclub-Fahnen, Deutschlandfahnen mit Vereinsbezug, Kutten, Seidenschals, Aufkleber an allen möglichen Lampenpfosten/Verkehrsschildern etc. (gerne auch Autobahnraststätten!) sowie "verrückte" Sachen wie Autos in Klubfarben oder Häuserfassaden mit Vereinswappen.

Thema ist Bundesliga - ich brauche also (leider) nur ex- bzw. gegenwärtige Erstligisten.

Gerne an hallo(at)hardy-gruene.de.

DANKE!

Donnerstag, 14. März 2013

Sonntag zu Gast bei DAS! im NDR-Fernsehen

Das rote Sofa lockt!

Am kommenden Sonntag bin ich live zu Gast bei DAS! im NDR-Fernsehen und darf auf dem berühmten roten Sofa Platz nehmen. Von 18.45 Uhr bis 19.30 Uhr geht es vor allem um die Tour d'Afrique und mein Buch dazu. Über Fußball wird aber sicher hier und da ebenfalls mal gesprochen werden - und da ich beim NDR bin werde ich natürlich auch den einzig wahren Fußballklub im
Norden erwähnen (solo 05 e basta!).

http://www.ndr.de/fernsehen/sendungen/das/gaeste/dasgaeste100_page-7.html

Und: ich bin nun bei Facebook auch mit einer eigenen Seite vertreten und freue mich über jedes "gefällt mir": http://www.facebook.com/pages/Hardy-Gr%C3%BCne/141004922734814?ref=hl

Montag, 11. März 2013

Frankreich: Stadionneubau in drei Monaten?

Poiré-sur-Vie ist eine 7.500 Einwohner große (oder kleine?) Gemeinde im westfranzösischen Département Vendée, die etwa zehn Kilometer nordwestlich von La-Roche-sud-Yon liegt.

Der örtliche Fußballklub schickt sich gerade an, in die 2. Liga Frankreichs aufzusteigen und hat dabei ein eklatantes Stadionproblem. Das Stade de l'Idonnière fast lediglich 2.900 Zuschauer und ist damit ungeeignet für die Gastspiele von Größen wie Le Havre, Nantes oder Le Mans.

Erst 2003 war Le Poiré-sur-Vie erstmals in die fünfthöchste Spielklasse aufgestiegen und erreichte 2007/08 das Sechzehntelfinale des Landespokal, in dem man PSG mit 1:3 unterlag. 2010 gelang der Aufstieg in die CFA (4. Liga), 2011 der in die National (3. Liga).

Nun hat man Pläne, im Falle des Aufstiegs binnen drei Monaten in einem örtlichen Industriegebiet ein Stadion für 6.000 Zuschauer aus dem Boden zu stampfen. Vorbild ist ein Rugbystadion aus der Nähe von Lyoin, für dessen Bau lediglich 82 Tage benötigt wurden.

Präsident des Klubs ist der ambitionierte Geschäftsmann Patrice Cougnaud. Hier ein Interview mit ihm über den Klub und seine Ziele (auf Französisch): http://www.atlantiquefootballclub.com/Le-Poire-sur-Vie-Vendee-football-sera-a-l-ecoute-de-toutes-les-opportunites_a334.html