Sonntag, 30. März 2014

Alle Tassen im Schrank? Borussia Fulda


Darf ich Euch an diesem herrlichen Sonntagmorgen vor einer kleinen Radelrunde durch das sonnengeflutete Südniedersachsen schnell noch meine neueste Erwerbung vorstellen, die gestern in meine kleine Kollektion gelangte? Grund war ein Besuch beim alten Hessenschlager Borussia Fulda gegen Hessen Hersfeld, der, damit das schon mal gesagt ist, mit einem souveränen 4:0-Erfolg der heimischen Borussia-Elf endete.

Früher war das mal ein echter Gipfel in der Hessenliga, damals noch dritthöchste Spielklasse unter der Bundesliga bzw. der 2. Bundesliga. Gestern nun war es das Duell Erster gegen Vierter in der Gruppenliga Fulda, was ligatechnisch die siebthöchste Ebene darstellt. Ein unglaublicher Absturz für beide Vereine, wobei der des SC Borussia Fulda noch harscher ausfällt, denn im Gegensatz zu Bad Hersfeld, wo sich der Fußball immer ein bisschen schwer tat, ist Fulda eine ausgewiesene Fußballhochburg. Das erklärt im Übrigen auch meinen Besuch bei der Partie, denn er geschah vor dem Hintergrund einer großen Reportage über den SC Borussia, die in einem spannenden Projekt erscheinen wird, über das ich Euch demnächst an dieser Stelle ein wenig mehr verraten werde ;-).

Dass Borussia Fulda bis in die siebte Liga abstürzen konnte, ist dem üblichen Gemisch aus sportlichem Missgeschick, strukturellen Problemen, Veränderungen im höherklassigen Leistungsfußball und fortgesetzter Misswirtschaft zu verdanken. 1997/98 träumte man im herrlich gelegenen Stadion Johannisau noch von der 2. Bundesliga. Die Fans strömten in Massen (gegen den 1. FC Nürnberg sorgten 18.000 Zahlende für ein ausverkauftes Stadion), unter Trainer Martin Hohmann war ein spielstarker Verbund entstanden, der tollen und erfolgreichen Fußball spielte und dem Männer wie Goalgetter Oliver Djappa angehörte. Dann wurde Hohmann ohne Not entlassen, und das Erfolgsgebilde brach zusammen. Der Aufstieg in die 2. Bundesliga wurde verpasste, die Euphorie brach zusammen.

Ein Duo dubioser Geschäftsmänner, das zuvor schon in Gießen für eine Fußballkatastrophe gesorgt hatte, zerstörte anschließend auch in Fulda tragfähige Strukturen. Es wurde mit Geldern nur so um sich geworfen, vom Aufstieg in die 1. Bundesliga gesprochen und zugesehen, wie all das, was das Erfolgskonstrukt des SC Borussia ausgemacht hatte, regelrecht ausradiert wurde. Folge war ein sportlicher wie finanzieller Absturz. 2004 wurde die Oberligalizenz verweigert, ging es erstmals in die Verbandsliga. 2006 kehrten die Rot-Schwarzen noch einmal zurück ins hessische Oberhaus, stiegen 2009 sportlich ab und wurden 2009/10 in der Verbandsliga in die Gruppenliga durchgereicht. Zudem musste ein erneuter Insolvenzantrag gestellt werden, den man im April 2010 immerhin zurückziehen konnte.

Borussia lag am Boden, und Fulda trauerte um sein Fußballaushängeschild. Unterdessen zogen die Rivalen aus Hünfeld, Flieden und Lehnerz vorbei, drohten den über Jahrzehnte führenden Verein der Region in die Bedeutungslosigkeit zu verbannen. Nun aber scheint der Stern Borussia wieder aufzuleuchten! In der Johannisau hat man stabile Führungsstrukturen mit verlässlichen Persönlichkeiten aufgebaut, einen Geldgeber gefunden, der zuvor Tischtennisbundesligist Maberzell nach oben gebracht hatte und mit dessen Hilfe es nun zurück in die Hessenliga gehen soll.

Nach dem gestrigen Sieg dürfte zumindest die Rückkehr in die Verbandsliga kein Problem mehr darstellen, und rund 300 Zahlende sind bei einem Siebtligaspieler sind sicher auch nicht gewöhnlich. Anfang der Saison waren es allerdings noch deutlich über 1.000, die den Weg in die Johannisau fanden – „heute kommen nicht mehr so viele, weil die Meisterschaft schon lange quasi klar ist“, wurde mir mitgeteilt. Ob sich das in der Verbandsliga sicher wieder ändern wird und wie es insgesamt mit dem SC Borussia Fulda weitergehen, darüber später an anderer Stelle in der angekündigten Reportage mehr.

"Alle Tassen im Schrank" bzw. die "Tassen-Like-Liga powered by Hardy Grüne" ist eine Serie auf meiner Facebook-Seite www.facebook.com/hardygruene

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