Donnerstag, 13. Februar 2014

Alle Tassen im Schrank? Tennis Borussia Berlin


Es ist stets ein angenehmes Gefühl, den täglichen Text für die „Tassen-Like-Liga powered by Hardy Grüne“ (www.facebook.copm/hardygruene) zu schreiben und dabei an jene unter Euch zu denken, denen diese Tasse eine besondere Freude machen wird. Bei einigen weiß ich die Lieblingsvereine, bei anderen habe ich inzwischen eine Ahnung von dem, was Euch in der Vereinswelt so bewegt und anspricht.

Der heutige Tassenpost wird voraussichtlich einige „Hurra“ erhalten. Tennis Borussia Berlin hat in seinen 112 Jahren zwar schon einige Transformationen durchgemacht, doch die letzte, die aus einem Klub, der mit viel Geld und wenig Empathie am liebsten gleich in die Champions League durchgestartet wäre, einen in der Berlin-Liga auf Gegner wie Sportfreunde Johannisthal treffenden Sechstligisten gemacht hat, war die wohl umwälzende. Für die lila-weiße Fanszene war das nun sicherlich kein „Glücksfall“, der tiefe Absturz aber hat dennoch zu einem gewissen Reinigungsprozess geführt und den inneren Zusammenhalt gestärkt. Doch nicht nur deshalb verfügt TeBe heute über eine der interessantesten Fanszenen des Landes, die weit mehr als nur einen ungewöhnlichen Farbklecks in der Fankultur in Berlin darstellt.

Viele von jenen, die heute in Johannisthal und Mahlsdorf einen ruhmreichen Sechstligisten bei seinen Auswärtsspielen in der Berlin-Liga begleiten, waren auch schon dabei, als Winnie Schäfer und die unsägliche „Göttinger Gruppe“ mit dickem Portemonnaie und großer Klappe versuchten, aus einem unspektakulären und von überschaubaren Zuschauerscharen begleiteten Klub eine schillernde Schlagzeilenmaschine zu machen. Diese schaffte es bekanntlich zurück in die 2. Bundesliga, brach dort aber, wie die gesamte „Göttinger Gruppe“, alsbald zusammen.

Über Tebe ließen sich Bücher füllen, und weil ich genau das im derzeit entstehenden Band „Legendäre Fußballvereine Berlin“ (erscheint im Frühjahr 2015 beim Verlag Die Werkstatt) ohnehin tun werde (und zwar nicht nur über TeBe) erzähle ich lieber von meinen persönlichen Begegnungen mit den Veilchen. Die erste fand im August 1975 statt, als die Berliner gerade ihr erstes Bundesliga-Abenteuer hinter sich hatten und zum ersten Saisonspiel der 2. Bundesliga Nord im Göttinger Jahnstadion aufliefen. Für mich war es ein besonderer Moment, denn ich weihte meine während der Sommerpause mühevoll zusammengenähte erste 05-Fahne ein! Es wurde eine furiose Premiere, da auf dem Spielfeld nicht etwa Favorit Tennis Borussia dominierte, sondern Underdog Göttingen 05. Dessen 3:0-Triumph bescherte meiner Fahne jedenfalls ein perfektes Debüt.

Das erste Mal in Berlin sah ich 05 (und Tebe) 1980/81, als die beiden Mannschaften in der Rückrunde der damaligen Mammutzweitligasaison aufeinander trafen und sportlich längst sämtliche Messen sowohl für Tennis Borussia als auch Göttingen 05 gelesen waren. Gespielt wurde im Olympiastadion, wo nach meiner Erinnerung irgendwas um die 800 Zuschauer versammelt war - jedenfalls eine gespenstische Atmosphäre herrschte. Für 05 liefen diverse Akteure der Landesligaamateure auf, und wir Handvoll mitgereister Göttinger sahen beim 2:3 eine weitere Niederlage in einer an Niederlagen ohnehin reichen Rückrunde.

Wesentlich schmerzhafter war allerdings die 1:3-Niederlage im Mommsenstadion in der Aufstiegsrunde zur 2. Bundesliga 1991, mit der 05 damals vorzeitig nahezu sämtliche Chancen verspielte. Wir mitgereisten Fans waren an diesem Mittwochabend in Berlin jedenfalls ziemlich frustriert, obwohl sich während des Spiels 05-Trainer „Charly“ Mrosko zu uns gesellte, nachdem ihn sein Frust einen Verweis aus dem Stadioninnenraum eingebracht hatte.

Immer gerne erinnere ich mich auch an die „Lila Laune“ der "neuen" TeBe-Fanszene, die wir in den 1990er Jahren fleißig gegen unseren „Schlafenden Riesen“ tauschten, dem damaligen 05-Fanzine. Wenn ich mich recht erinnere, erhielten wir seinerzeit sogar den Fanzine-Preis „Luftpumpe“ als Nachfolger der „Lila Laune“ (oder was es andersherum?).

Heute verbinden mich derweil diverse angenehme und oft genug befruchtende Facebookkontakte mit TebelerInnen, und nicht zuletzt deshalb steht ein erneuter Besuch im Mommsenstadion schon lange aus. Vielleicht sollte ich einfach nicht mehr länger darauf warten, bis Tennis Borussia und Göttingen 05 wieder in einer gemeinsamen Liga spielen...

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