Donnerstag, 13. Februar 2014

Alle Tassen im Schrank? Young Boys Bern


In Bern hat man ja bekanntlich seit Sonntag ein klitzekleines Problem mit der eigenen Bevölkerung, und da passt es vielleicht, die Tasse eines Klubs zu posten, der nicht nur einen ausländischen Namen trägt sondern an dessen Stadion einst ein klares Bekenntnis der eigenen Anhänger gegen Rassismus zu sehen war.

Das besagte Stadion ist natürlich jener Ort, der zugleich tief in der deutschen Fußballgeschichte verankert ist als Schauplatz des „Wunder von Bern“. Auch für mich war das Wankdorfstadion ein mystischer Ort, und ich habe den Abriss der alten WM-Arena und den Neubau des heutigen Stade de Suisse bei regelmäßigen Besuchen vor Ort mit wehmütigem Interesse verfolgen können. Auch wenn die heutige Arena zweifelsohne zeitgemäßer ist und für YB wirtschaftlich ein Segen sein mag, strahlt sie nicht annähernd die Atmosphäre des Wankdorf aus – aber das sage ich sicherlich auch mit den verklärten Augen eines deutschen Fußballfans, für den der 4. Juli 1954 irgendwie ein magisches Datum ist.

Verlassen wir die globale Ebene und kommen zur nationalen und damit zum Berner SC Young Boys, der mir nicht zuletzt aufgrund seiner Klubfarben Schwarz-Gelb irgendwie immer etwas sympathisch war. Der Name „Young Boys“ geht übrigens nicht auf britische Mitgründer zurück, wie man vermuten könnte, sondern auf ein Gastspiel der Old Boys aus Basel beim älteren Stadtrivalen FC Bern anno 1898. Einige lokale Jugendliche sahen das Spiel seinerzeit und beschlossen anschließend die Gründung eines eigenen Vereins, den sie aufgrund ihres jugendlichen Alters „Young Boys“ nannten. „YB“, wie der Klub in der Schweiz kurz genannt wird (ausgesprochen: I-B), wurde schon 1903 erstmals Landesmeister und errang bis 1929 fünf weitere Landestitel. Präsident Otto Eicher war damals einer der eifrigsten Befürworter des Profifußballs in der Schweiz. Ausgerechnet als die Profiliga schließlich 1931 eingeführt wurde, verlor YB jedoch ein wenig den Anschluss.

Die nächste Erfolgsepoche des Klubs waren die 1950er Jahre, als der frühere deutsche Nationalspieler (und Herberger-Freund) Albert Sing das Training leitete und Spieler wie „Geni“ Meier, Heinz Schneiter, Ernst Wechselberger und Toni Alleman nicht nur für YB sondern auch für die Schweiz spielten. Vier weitere Landesmeisterschaften zwischen 1957 und 1960 wurden gekrönt vom Einzug ins Halbfinale um den Europapokal der Landesmeister 1959, in dem ein Geni-Meier-Treffer vor 60.000 im Wankdorf gegen Stade Reims einen landesweiten Jubelschrei auslöste. Das Rückspiel jedoch gewann Reims mit 3:0 und erreichte das Finale.

Anschließend kam es zum personellen Umbruch, und die längst zum Berner Aushängeschild aufgestiegenen Schwarz-Gelben (Klubhymne: „Jeder Bärner Giel, dä isch für YB“ – „Jeder Berner Junge hält für YB“) mussten bis 1986 warten, ehe der nächste Meistertitel eingefahren wurde – es war zugleich der bis heute letzte. Mehrfach war man seitdem nah dran, ging 1993, 2004, 2008, 2009 und 2010 jeweils als Vizemeister durchs Ziel, verpasste den Durchbruch aber trotz Spielern wie Stephane Chapuisat, Hakan Yakin und Klublegende Thomas Häberli immer wieder. Zugleich gilt YB als einer der beliebtesten Vereine der Schweiz, und mit über 14.000 Jahreskarten war man 2011 Krösus in der Super League.

Vielleicht wird es ja mal wieder Zeit für ein „Wunder von Bern“. Und das könnte dann auch gleich noch für die politische Ebene gelten, die in Bern ja bekanntlich ihre Hauptstadt hat und auf der es gegenwärtig drängende Probleme zu lösen gibt.

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