Freitag, 25. April 2014

Alle Tassen im Schrank? FC Kempten/Allgäu

 
Gleich ein ganzes Paket voller Fußballbecher traf in der Woche vor Ostern bei mir daheim ein. Drei Exemplare aus für einen Norddeutschen recht exotischen Orten erweitern seitdem meine Sammlung, die im Übrigen, das möchte ich gerne mal lobend erwähnen, dank Eurer Hilfe seit dem Start der "Tassen-Like-Liga powered by Hardy Grüne“ sukzessive angewachsen ist. Und zwar so sehr, dass ich inzwischen ein ...Platzproblem habe, denn das handgefertigte Tassenregal ist pickepacke voll und bedarf dringend eines Anbaus :-D

In der nunmehrigen Überraschungslieferung waren zwei ausländische Becher (dazu in den kommenden Wochen mehr) sowie ein Exemplar eines bayerischen Traditionsvereins, das ich Euch heute präsentieren möchte. Nun fällt mir zum FC Kempten allerdings ehrlich gesagt nicht so wahnsinnig viel ein. In meinem „Vereinslexikon“ von 2001 taucht der Klub als aktueller Bayernligist auf, der in seinen beiden bis dahin absolvierten Jahren im bayerischen Oberhaus jeweils gegen den Abstieg spielte und auf durchschnittlich rund 540 Zuschauer pro Spiel kam – aus heutiger Sicht eine durchaus ansprechende Zahl. Darüber hinaus weiß ich noch zu berichten, dass der Klub aus der Fußballabteilung des MTV Kempten hervorging und seit 1946 als FC Kempten über die bayerischen Fußballfelder jagt.

Ich war allerdings noch nie bei einem Spiel des FC Kempten vor Ort, und insofern freut es mich umso mehr, dass der edle Übersender der Tasse auch gleich die dazugehörige Geschichte mitgeliefert hat, die Euch allen nun etwas mehr zum und über den FC Kempten erzählen wird. Und damit zugleich ein herzliches Danke schön an Matthias Fingerle, den Verfasser der folgenden Zeilen und Übersender des Überraschungspaketes.

"Viele Jahre war der FC Kempten der Fußballverein in meiner Heimatstadt. Mit ca. 65.000 Einwohnern ist Kempten die größte Stadt des Allgäus. Ich gebe zu, ich verfolge den regionalen Fußball beim FCK erst seit ca. 15 Jahren, aber auch da habe ich schon einiges erlebt. Lange Zeit war der FC Kempten eine Fahrstuhlmannschaft zwischen der damals noch viertklassigen Bayernliga und der Landesliga. Seine beste Zeit erlebte der FCK unter dem Allgäuer Ex-Bundesligaprofi Uwe Wegmann als Spielertrainer. Im Jahr 2005 gelang in einem wahren Nervenkrimi die Rückkehr in die Bayernliga, als man im Relegationsspiel gegen die SpVgg Ansbach in Gundremmingen bereits 0:2 zurücklag und ein überragender Uwe Wegmann seine Mannschaft zuerst zum Ausgleich und dann zum Sieg im Elfmeterschießen führte.

Zur Bayernliga-Eröffnung wurde das Derby gegen den FC Memmingen angesetzt, wobei die Memminger bei der Gelegenheit ihr komplett umgebautes (eigentlich eher neugebautes) Stadion einweihten. Vor einer sensationellen Kulisse von 6.650 Zuschauern (das Bayerische Fernsehen übertrug die zweite Halbzeit live) holte Außenseiter Kempten ein wackeres 0:0. Leider wurde Wegmann 2008 am ersten Spieltag nach der Winterpause (!) nach einer 0:3-Heimniederlage gegen Würzburg entlassen, obwohl das Team nicht auf einem Abstiegsplatz in der Bayernliga stand.

Es war der Beginn einer beispiellosen Talfahrt: Kempten gewann in der kompletten Rückrunde kein einziges Spiel und stieg ab. Jedoch nicht nur aus der Bayernliga, sondern insgesamt viermal in Folge! Der Verein wurde durchgereicht von der Bayern- bis in die Kreisliga! War lange Zeit der FC Memmingen der große sportliche Rivale, so wurde man nun plötzlich vom Lokalrivalen TSV Kottern überholt (immerhin blieb es dem FCK noch erspart, aus dem städtischen Illerstadion ausziehen zu müssen, das eigentlich dem ranghöchsten Verein zusteht, da die Kotterner in ihrem eigenen Kieswerkstadion – heute ABT-Arena – bleiben wollten).

Ein Führungschaos unter verschiedenen Vorständen jagte das nächste und plötzlich war der FCK nicht nur in der Kreisliga, sondern stand kurz vor der Insolvenz. Teilweise war man in der Bezirksliga (!) mit einzelnen „Profispielern“ aufgelaufen. Bei den wenigen verbliebenen Fans war plötzlich nicht mehr die Sorge, in welcher Liga man spielen wird, sondern DASS man überhaupt noch spielen wird, der 1907 gegründete Verein stand kurz vor der Auflösung. Leider konnte man so auch nicht von der Umstrukturierung der Regionalliga und der Ligen darunter profitieren, wodurch einige Vereine plötzlich in Ligen „gespült“ wurden, von denen sie zuvor nicht einmal geträumt hatten. Ein neuer Vorstand – der nach wie vor im Amt ist – konnte die Insolvenz noch abwenden, der Verein ist zwar mittlerweile wieder schuldenfrei und schaffte nach zwei Jahren Kreisliga zumindest den Wiederaufstieg in die Bezirksliga, wo man aber mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit wieder absteigen muss.

Besonders bitter ist hierbei, dass mittlerweile nicht nur umliegende Dorfvereine höher spielen, sondern dass man sich im Abstiegsfall dann sogar mit der 2. Mannschaft des TSV Kottern messen muss. Die Fans sehen es ein wenig mit Galgenhumor, dass dann zumindest die Auswärtsfahrten nicht mehr so weit sind und es das eine oder andere Derby gibt. Bei uns in der Firma gibt es dann schon mal die eine oder andere Diskussion oder Stichelei mit Kollegen, die aus den Dörfern der Liga-Konkurrenz stammen... Neben der Rückkehr in die sportliche Erfolgsspur hat der neue Vorstand auch begonnen, das Image des „Chaos-Clubs“ wieder ein wenig aufzupolieren, was auch schon teilweise gelungen ist. U.a. wurde eine Fanartikel-Kollektion aufgelegt, aus der auch diese Tasse stammt.Neben dem Wappen siehst Du im Hintergrund die Tribüne unseres Illerstadions, die mittlerweile nur noch sehr sporadisch „gefüllt“ ist.

Bei den normalen Ligaspielen verlieren sich meist zwischen 100 und 200 Fans. Lange Zeit hatte man ohnehin den Eindruck, dass Kempten generell keine „Sportstadt“ ist, was jedoch eindrucksvoll widerlegt wurde, als vor ein paar Jahren Kempten und Kottern in der damaligen Bezirksoberliga aufeinandertrafen. Zum Hinspiel im Juli strömten 1.500 Zuschauer nach Kottern (ein Stadtteil, der heute St. Mang heißt, witzigerweise liegt nur das Stadion auf Kemptener Stadtgebiet, nicht aber das Vereinsgebäude, weswegen der Club die postalische Anschrift der Nachbargemeinde Durach hat, aber natürlich sind und bleiben die Kotterner ein Kemptener Verein), zum Rückspiel im Herbst kamen auch noch mehr als 1.000 Fußballfreunde.

Seit zwei Jahren hat nun Football dem Fußball den Rang als Sportart Nr. 1 in Kempten abgelaufen, seit die „Allgäu Comets“ in die GFL2, die 2. Bundesliga, zurückkehrten und mittlerweile auch den Aufstieg in die GFL, die Bundesliga, geschafft haben. Insofern bleibt zu hoffen, dass sich auch die Fußballer daran ein bisschen ein Beispiel nehmen und sich mittelfristig auch wieder in einer etwas höheren Liga etablieren können."
 
"Alle Tassen im Schrank" bzw. die "Tassen-Like-Liga powered by Hardy Grüne" erscheint regelmäßig zunächst auf www.facebook.com/hardygruene. Jetzt liken und followen ;-)

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