Donnerstag, 10. April 2014

Alle Tassen im Schrank? VfL Wolfsburg


 
„Meine Heimat, meine Liebe, mein Verein, mein Becher“ heißt es auf diesem Kaffeepott des VfL Wolfsburg, bei dem ich heute Abend zu Gast bin. Ab 19 Uhr zeige ich im Fanhaus an der Volkswagen-Arena Bilder aus über 100 Jahren Fankultur in Deutschland und erzähle ein bisschen über Wechsel und Wandel im hiesigen Fandasein. Näheres hier: https://www.vfl-wolfsburg.de/info/aktuelles/detailseite/artikel/lesung-im-fanhaus.html

Ausgerechnet Wolfsburg mag der eine oder andere nun stöhnen, denn als Fanhochburg mag Wolfsburg nicht den allerbesten Ruf genießen. Ob das gerecht ist, mögen andere beurteilen, ich jedenfalls finde die Entwicklung der Wolfsburger Fankultur beachtenswert und habe großen Respekt davor. Einen Verein wie den VfL Wolfsburg zu unterstützen ist sicherlich eine ganz andere Erfahrung als die, die man als Anhänger eines dieser beliebten und so genannten Traditionsvereine macht. Und doch ist es gelungen, eine eigene Identität zu bilden und sich damit landesweit Respekt zu verschaffen. Insofern freue ich mich auf ein hoffentlich zahlreiches Publikum nachher!

Die Reise nach Wolfsburg birgt für mich natürlich auch eine Menge Erinnerungen. Früher bin ich da mindestens einmal im Jahr in Sachen Fußball hingefahren. Der VfL Wolfsburg und Göttingen 05 verbrachten Jahrzehnte Seite an Seite in Regionalliga, Oberliga Nord, 2. Bundesliga-Nord oder Aufstiegsrunde zur 2. Bundesliga. Und häufig waren es meine Schwarz-Gelben, die gerade im entscheidenden Moment topfit waren und beide Zähler vom Elsterweg entführten.

Fankultur gab es in den 1970er und 1980er in der Tat nur bedingt beim VfL Wolfsburg. Und auch Zuschauer waren – zumindest bei gewöhnlichen Ligaspielen – nicht allzu reichlich. Insofern hatten wir mehr als einmal gefühlte Heimspiele, wobei das in jenen Jahren immer auch bedeutete, dass es hier und da zu kleineren Rangeleien kam.

Als Fußballstadt war Wolfsburg damals also wirklich nicht allzu spannend, und irgendwie taten mir die paar VfL-Fans immer etwas leid. In einer Stadt wie Wolfsburg zu leben, das VW-Werk im Rücken zu haben und dann doch nur vor überschaubaren Kulissen und in einem Stadion mit recht wenig Atmosphäre zu spielen fand ich traurig. Dabei hat Wolfsburg durchaus seine Szenen gehabt in der Vergangenheit! In den 1950ern kickte man in der alten Oberliga Nord und begrüßte bisweilen sogar fünfstellige Kulissen. Der VfL fungierte damals als Identifikationsobjekt in einer Stadt, in der die meisten „Fremde“ waren und eine neue Heimat suchten. Der VfL, der Fußball, bot dieses „Zugehörigkeitsgefühl“. In den späten 1960ern hatte man dann eine starke Mannschaft mit dem unvergessenen „Wanze“ Kemmer, doch der Aufstieg in die Bundesliga blieb ein Traum, und schon bald herrschte wieder Alltag in Wolfsburg.

Noch Mitte der 1980er Jahre verloren sich häufig nur wenige hundert Fans am Elsterweg, wenn der VfL aufspielte. Dann kam Peter Pander, freigestellt vom VW-Werk und ausgestattet mit dem Auftrag, bei den VfL-Fußballern professionelle Bedingungen zu schaffen und den Klub in die Bundesliga zu führen. 1990/91 waren 05 und der VfL noch gemeinsam in der Aufstiegsrunde zur 2. Bundesliga, ehe sich die Wege der beiden Vereine im Sommer 1992 mit dem Aufstieg des VfL trennten – mit hoher Wahrscheinlichkeit für immer.
 
Und hier noch der Hinweis auf den heutigen Abend im Fanhaus:
 

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