Sonntag, 6. November 2011

Finale Afrikanische Champions League

Zum heutigen Hinspiel im Finale um die afrikanische Champions League zwischen WAC Casablanca und Esperance Tunis die Klubporträts beider Finalisten aus dem zweiten Band der Fußballweltenzyklopädie.

Nähere Infos dazu gibt es unter:
http://www.hardy-gruene.de/buecher/weltenzyklopaedie.htm




Wydad AC Casablanca
Der älteste arabische Klub des Landes wurde 1937 gegründet und steht traditionell dem marokkanischen Königshaus nahe.
Er gilt als marokkanischer Nationalverein und hatte in seinen Statuten lange Zeit festgeschrieben, stets mit mindestens zehn arabischen Spielern auflaufen zu müssen. Klubgründer war eine vom ersten Klubpräsidenten Mohamed Benjelloun Touimi angeführte Gruppe wohlhabende Araber, die sich mit der Gründung Zugang zu einem der beliebten Schwimmbäder Casablancas verschaffen wollte. In jene erhielt zu französischen Protektoratszeiten nur Einlass, wer in einem Sportverein Mitglied war.
Da sich die europäischen Klubs Arabern und Juden gegenüber verschlossen, rief man mit Wydad einen ausschließlich muslimischen Verein ins Leben, der erst nach langen Verhandlungen von der französischen Verwaltung genehmigt wurde. Während die Bedeutung des Vereinsnamen unumstritten ist – »Wydad« steht im Arabischen für »Liebe« – kursieren über seine Herkunft mehrere Versionen. Als die plausibelste wird die von Vereinshistoriker Ahmed Lahrizi betrachtet, wonach einer der Klubgründer zur Gründungsversammlung zu spät erschien, weil er im Kino den Film »Wydad« mit der ägyptischen Starsängerin Umm Kulthum gesehen hatte.
Nachdem man neben dem Wassersport bereits das Basketballspiel aufgegriffen hatte, wurde 1939 auch eine Fußballsektion gegründet. Unter Führung von Lahcen Tounsi (»Père Jégo«) etablierte diese sich rasch im von französischen, italienischen und spanischen Mannschaften dominierten Casablancaer Fußball und wurde aufgrund ihrer symbolträchtigen Siege über europäische Teams vom marokkanischen Könighaus adoptiert.
Mit zunehmenden Erfolgen sah sich Wydad aber auch Behinderungen durch die französische Verwaltung ausgesetzt. So wurde 1940 ein Statut erlassen, nach dem jede Mannschaft mindestens fünf Europäer, darunter mindestens einen Franzosen, aufweisen musste. Dennoch etablierte sich der Klub unter den führenden Mannschaften in Französisch-Marokko und lockte enorme Zuschauermassen zu seinen Spielen.
Nach dem Zweiten Weltkrieg übernahm Wydad allmählich auch eine sportliche Führungsrolle. Zwischen 1948 und 1951 errang die Elf um Chtouki, Abdeslam und Driss vier Landesmeisterschaften und wurde von 1948-50 dreimal in Folge Nordafrikameister. Als erste arabische Elf vermochte man damit die Hegemonie der europäischen Teams in Nordafrika zu durchbrechen.
1949 hatte sich allerdings eine Gruppe sozialistisch orientierter Mitglieder um Abderrahman Youssoufi abgespalten und mit dem Raja AC Casablanca Wydads heutigen sportlichen und sozialen Rivalen ins Leben gerufen. Während Wydad in aristokratischen und königstreuen Kreisen ansässig ist, wird Raja vom Mittelstand und der Arbeiterschaft unterstützt.
Mit der Unabhängigkeit Marokkos erhielten »les Rouges« (»die Roten«) 1956 aufgrund ihrer Verdienste im Unabhängigkeitskampf den Beinamen »Wydad Al-Oumma« – »die Liebe der Nation«. 1957 erster Landesmeister des unabhängigen Marokkos geworden, gerieten die Roten anschließend etwas in den Schatten der Armeemannschaft von FAR Rabat. Der nächste Titelgewinn gelang ihnen erst 1966 unter Ex-Frankreichprofi Abderahmane Belmahjoub.
Seine erfolgreichste Epoche verlebte der Klub von 1976-78, als eine von Torjäger Chrif, Regisseur Petchou und Torhüter Badou Ezzaki geprägte Mannschaft dreimal in Folge Meister wurde und sich 1978 als erstes Team des Landes das Double sicherte. International erklommen »les Rouges« um Marokkos Rekordnationalspieler Noureddine Naybet 1992 mit dem Triumph im Endspiel des afrikanischen Landesmeisterwettbewerbs über Al-Hilal Khartum ihren Zenit. 2002 vermochte sich Wydad gegen Asante Kotoko aus Ghana auch den Pokal der Pokalsieger zu sichern. [8.5.1937 | Mohamed V (67.000) | 11 | 9]


Espérance Sportive Tunis
Tunesiens Vorzeigeklub und zu Kolonialzeiten einer der Bannerträger der arabischen Nationalbewegung. Gegründet am 15. Januar 1919, war Espérance (»Hoffnung«, der Name erinnert an das Gründungslokal »Café de l‘Espérance«) der erste arabische Klub in Tunesien und dem gesamten Maghreb.
Die »Sang et Or« (»Blutroten und Goldenen«) sind im Altstadtviertel Bab Souika ansässig und galten in den 1920er Jahren durch viele zugleich in der Unabhängigkeitsbewegung aktive Mitglieder als fußballspielender Arm der tunesischen Nationalbewegung.
Aufgrund französischer Ressentiments wurde der Klub erst 1936 in die Division d‘Honneur aufgenommen und erreichte im selben Jahr erstmals das Pokalfinale, das er gegen Stade Gaulois verlor. 1939 errang »EST« an selber Stelle mit einem 3:1 über ESS Sousse seine erste Trophäe.
Im Zweiten Weltkrieg etablierten sich die Rot-Gelben vollends im europäisch geprägten Fußball Tunesiens und gewannen von 1959-60 mit einem von Torjäger Abdelmajid Tlemçani geprägten spektakulärem Angriffsfußball zwei weitere Meistertitel.
Nach einer längeren Durststrecke konnte der landesweit beliebte Klubs erst 1970 an die Spitze zurückkehren und mit einer von den Ausnahmetalenten Tarak Dhiab und Témime Lahzami bestückten Elf drei weitere Meisterschaften bejubeln. 1989 übernahm mit Slim Chiboub der Schwiegersohn von Staatspräsident Ben Ali die Vereinsführung und führte Espérance in ein neues Zeitalter.
Mit einer modernisierten Infrastruktur und finanzkräften Partnern im Rücken sicherten sich die Rot-Gelben 1994 die afrikanische Landesmeisterschaft, 1997 den CAF-Cup und 1998 den Pokal der Pokalsieger. 1999 und 2000 unterlagen sie im Landesmeisterwettbewerb jeweils im Finale. National dominierte »EST« zwischen 1998 und 2004 mit sieben Meisterschaften in Folge den Spielbetrieb und ist mit 20 Titeln und 13 Pokalerfolgen Tunesiens Rekordhalter. »Les Espérantistes« verfügen über eine moderne Infrastruktur mitsamt Hotel und Fußballschule, sie sind fest in der Wirtschaft und der Politik des Landes verankert und sie können sich auf eine treue Anhängerschaft verlassen. [1919 | El Menzah (40.000) | 20 | 13]

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