Freitag, 13. Dezember 2013

Alle Tassen im Schrank? Chelsea FC

Mit dem Chelsea FC möchte ich heute mal wieder einen Ausflug in die eigene Vergangenheit unternehmen, in der vieles anders war als heute. Chelsea zum Beispiel war einer von diversen Londoner Fußballklubs, der zwar bei vielen Fans auf der In...sel einen gewissen Kultstatus genoss, sportlich aber höchstens durch regelmäßiges Scheitern auffiel. Und Geld hatte man auch nicht viel – dafür eine paar prominente Fans aus der Pop- und Rockszene.

Das war 1985, jenes Jahr, in dem ich erstmals den Dampfer nach Dover bestieg und nach England - London, um genau zu sein - reiste. Ausgerüstet mit englischen Sprachkenntnissen, die im deutschen Schulalltag tauglich gewesen waren und sich in der englischen Hauptstadt rasch als komplett untauglich erwiesen. Ausgestattet mit einer umfangreichen Neugierde auf "Rule Britannia", London und Fußball, bestenfalls gebremst von einem etwas schmalbrüstigen Budget, das für zwei Wochen reichen sollte.

Nachdem ich rasch eine erfreulich günstige Unterkunft nahe des perfekt gelegenen Holland Park gefunden hatte, machte ich mich auf die Suche nach den Fußballarenen der Stadt. Und Chelsea Stamford Bridge war mein Startpunkt. Was war ich für ein Glückspilz! Denn dort gab es einen winzigen Fanshop mit allerlei Chelsa-Devotionalien, in deren Mitte ich meine künftige „Bibel“ erblickte: „The Football Grounds of England and Wales“ von Simon Ingles. Zwei Jahre zuvor erstmals erschienen und ein Buch, das mich förmlich umhaute. Es enthielt alles, was ich wissen wollte: Vereinsgeschichte, Stadtteilgeschichte, Industriegeschichte, Gesellschaftsgeschichte, Leidenschaft, Wehmut, Nostalgie, Visionen - Ingles hatte ein Buch geschrieben, das für mich zur unerschöpflichen Quelle und mit seiner Verknüpfung von Fußball- und Gesellschaftsgeschichte außerdem zum leuchtenden Vorbild wurde.

Mit diesem Werk unterm Arm und einem Zwei-Wochen-Ticket für den öffentlichen Nahverkehr reiste ich anschließend kreuz und quer durch London. Stiefelte durch die Millwall Docks, fand Charltons zugewucherte Valley Parade, wühlte mich in Tottenham in die Heimkurve, sah Liverpool bei West Ham spielen, stand unter den berühmten Twin Towers von Wembley. Und dann waren da noch Fulham, Brentford, Arsenal, Leyton, QPR, Palace, Wimbledon, Barnet usw. – die 14 Tage gingen jedenfalls wie im Flug vorbei, mein Englisch hatte sich spürbar verbessert und ich wusste, was ich mit meinem Leben anfangen wollte: Fußballforscher werden.

So, und nun noch ein paar Worte zu Chelsea, denn da fing ja damals alles an. Ein Spiel habe ich dort seinerzeit leider nicht sehen können, denn ich war unter der Woche an der Stamford Bridge. Aber in der guten alten Zeit vor der Premier League standen Englands Stadien für gewöhnlich offen, und so konnte ich gemütlich auf diese gigantische Stahltribüne klettern und mir auf den Terraces hinterm Tor vorstellen, wie es sieht anfühlt, wenn 50.000 blues gemeinsam singen. Heute weiß ich, was für ein Glück ich hatte. Denn Stamford Bridge war seinerzeit mit seiner Ausstrahlung und Lage so ziemlich der ideale Startpunkt für eine Stadiontour durch London, die mich endgültig zum Fußball- und Stadionjunkie machte.

Alles gut gelaufen also! 
:-D
 

Foto: Mit dem Chelsea FC möchte ich heute mal wieder einen Ausflug in die eigene Vergangenheit unternehmen, in der vieles anders war als heute. Chelsea zum Beispiel war einer von diversen Londoner Fußballklubs, der zwar bei vielen Fans auf der Insel einen gewissen Kultstatus genoss, sportlich aber höchstens durch regelmäßiges Scheitern auffiel. Und Geld hatte man auch nicht viel – dafür eine paar prominente Fans aus der Pop- und Rockszene.

Das war 1985, jenes Jahr, in dem ich erstmals den Dampfer nach Dover bestieg und nach England - London, um genau zu sein - reiste. Ausgerüstet mit englischen Sprachkenntnissen, die im deutschen Schulalltag tauglich gewesen waren und sich in der englischen Hauptstadt rasch als komplett untauglich erwiesen. Ausgestattet mit einer umfangreichen Neugierde auf "Rule Britannia", London und Fußball, bestenfalls gebremst von einem etwas schmalbrüstigen Budget, das für zwei Wochen reichen sollte.

Nachdem ich rasch eine erfreulich günstige Unterkunft nahe des perfekt gelegenen Holland Park gefunden hatte, machte ich mich auf die Suche nach den Fußballarenen der Stadt. Und Chelsea Stamford Bridge war mein Startpunkt. Was war ich für ein Glückspilz! Denn dort gab es einen winzigen Fanshop mit allerlei Chelsa-Devotionalien, in deren Mitte ich meine künftige „Bibel“ erblickte: „The Football Grounds of England and Wales“ von Simon Ingles. Zwei Jahre zuvor erstmals erschienen und ein Buch, das mich förmlich umhaute. Es enthielt alles, was ich wissen wollte: Vereinsgeschichte, Stadtteilgeschichte, Industriegeschichte, Gesellschaftsgeschichte, Leidenschaft, Wehmut, Nostalgie, Visionen - Ingles hatte ein Buch geschrieben, das für mich zur unerschöpflichen Quelle und mit seiner Verknüpfung von Fußball- und Gesellschaftsgeschichte außerdem zum leuchtenden Vorbild wurde.

Mit diesem Werk unterm Arm und einem Zwei-Wochen-Ticket für den öffentlichen Nahverkehr reiste ich anschließend kreuz und quer durch London. Stiefelte durch die Millwall Docks, fand Charltons zugewucherte Valley Parade, wühlte mich in Tottenham in die Heimkurve, sah Liverpool bei West Ham spielen, stand unter den berühmten Twin Towers von Wembley. Und dann waren da noch Fulham, Brentford, Arsenal, Leyton, QPR, Palace, Wimbledon, Barnet usw. – die 14 Tage gingen jedenfalls wie im Flug vorbei, mein Englisch hatte sich spürbar verbessert und ich wusste, was ich mit meinem Leben anfangen wollte: Fußballforscher werden.

So, und nun noch ein paar Worte zu Chelsea, denn da fing ja damals alles an. Ein Spiel habe ich dort seinerzeit leider nicht sehen können, denn ich war unter der Woche an der Stamford Bridge. Aber in der guten alten Zeit vor der Premier League standen Englands Stadien für gewöhnlich offen, und so konnte ich gemütlich auf diese gigantische Stahltribüne klettern und mir auf den Terraces hinterm Tor vorstellen, wie es sieht anfühlt, wenn 50.000 blues gemeinsam singen. Heute weiß ich, was für ein Glück ich hatte. Denn Stamford Bridge war seinerzeit mit seiner Ausstrahlung und Lage so ziemlich der ideale Startpunkt für eine Stadiontour durch London, die mich endgültig zum Fußball- und Stadionjunkie machte.

Alles gut gelaufen also! :-D

Keine Kommentare:

Kommentar posten