Freitag, 10. Januar 2014

Alle Tassen im Schrank? Dinamo Moskau


Vor einigen Wochen habe ich an dieser Stelle die neugeknüpfte Verbindung zu einem Tassen-Tauschpartner angezeigt, der auf zwei von mir gelieferte englische Kaffee-/Tee-Gefäße mit schönen Exoten antwortete: Spartak sowie Dinamo Moskau.

Spartak habe ich bereits vorgestellt, heute nun soll die Dinamo-Tasse an die Reihe kommen. Bedauerlicherweise beschränken sich meine Russisch-Kenntnisse auf ein nur als „lausig“ zu umschreibendes Level, insofern bin ich leider nicht in der Lage, den auf der Tasse aufgedruckten Schriftzug ins Deutsche zu übersetzen. Ich vermute aber, es handelt sich um eine Lobpreisung des zu Sowjetzeiten nominell der Polizei untergeordneten Футбольный клуб «Динамо» Москва.

Wie ich im ersten Band der Weltfußball-Enzyklopädie (http://www.hardy-gruene.de/buecher/weltenzyklopaedie.htm) schrieb, ist Dinamo mit seinen bis ins Jahr 1894 zurückreichenden Wurzeln einer der Fußballpioniere Russlands. Damals entstand in der Moskau vorgelagerten Industriegemeinde Orechewo ein von britischen Unternehmern gegründeter Fußballklub, der nach der Revolution den Namen Dinamo annahm und 1923 unter die Kontrolle des Innenministeriums geriet. Lenins Geheimdienstchef Dscherschinski höchstselbst verwandelte den Klub anschließend in eine unionsweite Sportorganisation, die Zweigstellen u.a. in Kiew, Tiflis und Minsk erhielt.

Als Team der gefürchteten Geheimpolizei NKWD (später KGB) wurde Dinamo zum ideologischen Gegenspieler Spartaks, mit dem man zunächst die Landesmeisterschaft dominierte. Als 1938 Lawrenti Berija die Geheimpolizei übernahm, ließ er führende Spartak-Funktionäre in Gulag-Lager verschleppen und öffnete Dinamo damit den alleinigen Weg an die Spitze. 1945 reisten die Blau-Weißen zu einer bemerkenswerten Good-Will-Tour nach Großbritannien, während legendäre Spieler wie Lew Jaschin und Igor Tschislenko daheim für Erfolge sorgten. Elf Meistertitel wurden bis zum Ende der Sowjetära im Dinamo-Stadion gefeiert.

Nachdem der Einfluss des Innenminsteriums schon unter Gorbatschow erheblich eingeschränkt worden war, hatte Dinamo nach Auflösung der UdSSR zunächst arge Probleme, sich unter den veränderten Bedingungen zu arrangieren. Erst als der in Monte Carlo ansässige Öl- und Metallmilliardär Alexej Fedoryetschew das Ruder übernahm, wendete sich das Blatt ein wenig, doch auch Spieler wie Kevin Kurányi haben den früheren KGB-Klub bislang nicht zu alter Größe führen können.

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