Dienstag, 7. Dezember 2010

Das Alsenborn des Nordens: SC Elmenhorst

Im Rahmen meiner wöchentlichen Kolummne für "Nordsport" habe ich mich kürzlich mit dem SC Elmenhorst beschäftigt - dem "SV Alsenborn des Nordens". Hier das Ergebnis:

Elmenhorst, eine gut 2.500-köpfige Gemeinde vor den Toren Bargteheides, war in den 1970er Jahren bei den Fußballfans im Norden in aller Munde. Bis in die höchste Landesklasse führte der schier unwiderstehliche Aufschwung der „Dorfelf“.


Wenn man in den 1970er Jahren vom aufstrebenden Dorfklub sprach, fiel nahezu zwangsläufig der Name SV Alsenborn. Alsenborn, das ist ein kleines Kaff bei Kaiserslautern, in dem 1954-Weltmeisterkapitän Fritz Walter sein Eigenheim errichtet hatte und das anschließend bis an die Pforten zur Bundesliga klopfte.

Auch Schleswig-Holstein hatte damals ein „Alsenborn“. Es klopfte zwar „nur“ an die Pforten zur Zweitklassigkeit, und es hatte auch keinen Weltmeister zu bieten, seine Geschichte ist dennoch mitreißend und bewegend.

Es geht um Elmenhorst, eine heute 2.500-köpfige Gemeinde vor den Toren Bargteheides. Der dortige Sport-Club Elmenhorst war 1948 ins Leben gerufen worden und hatte sich zunächst wie ein gewöhnlicher Dorfklub entwickelt. Das gesellige Miteinander stand vor dem sportlichen Erfolg. Das änderte sich, als ein vorständliches Dreigestirn aus Martin Fründ (Vorsitzender), Hermann Kielhorn (Obmann/Manager) und Werner Buck (Kassenwart) die Führung übernahm. Plötzlich wurde aus Elmenhorst, damals lediglich rund 1.000 Einwohner stark, eine Fußballhochburg. Mit rührigem Engagement schuf das Dreigestirn die Voraussetzungen, damit der Dorfklub im Konzert der Großen mitspielen konnte.

Der unwiderstehliche Aufschwung begann 1967/68, als den lange in der A-Klasse dümpelnden Blau-Weiß-Roten erstmals in der Vereinshistorie der Sprung in die Verbandsliga Süd gelang. Dort rang man drei Spielzeiten lang erfolgreich um Punkte, als der SCE 1970/71 plötzlich nicht mehr zu stoppen war. Nachdem das Team von Trainer Manfred Tröndle 20 Spieltage lang die Tabelle angeführt hatte, kam es zum brisanten Nachbarschaftsduell mit dem TSV Bargteheide, das über 600 Fans auf den Elmenhorster Sportplatz Siebenbergen lockte. Am Ende ging der SCE als Gewinner aus dem Nachbarschaftsduell hervor und erklomm als Meister die Landesliga Schleswig-Holstein, die damals dritthöchste Spielklasse unterhalb der Bundesliga bzw. der Regionalliga.

Plötzlich gehörte das kleine Elmenhorst zu Deutschlands großen Fußballvereinen!

Und der Aufschwung ging noch weiter. Zwar hatte Erfolgscoach Tröndle aus familiären und beruflichen Gründen zwischenzeitlich sein Amt niederlegen müssen, doch Nachfolger Karl-Günter Wasilewski blieb mit den Blau-Weiß-Roten auf Erfolgskurs. Die Herausforderung im schleswig-holsteinischen Fußballoberhaus waren freilich immens. Immerhin standen dem „Alsenborn des Nordens“ dort renommierte Gegner wie Schleswig 06, VfB Kiel, Flensburg 08, VfR Neumünster und Nachbar VfL Oldesloe gegenüber, zu denen man wenige Jahre zuvor noch ehrfürchtig aufgeschaut hatte.

Und auch logistisch stand der kleine Klub vor großen Aufgaben. Die Gastspiele der lukrativen Gegner auf dem Sportplatz Siebenbergen mussten organisiert werden, und Reisen bis hinauf nach Flensburg oder Westerland waren enorme Herausforderungen. „Doch das rührige Dreigespann Fründ, Kielhorn und Buck wusste hier immer eine Lösung, um die organisatorischen Dinge im Umfeld sicherzustellen“, schwärmte die 1998 erschienene Klubchronik zum 50. Bestehen über den intakten Vereinsgeist jener Erfolgsjahre. Bisweilen war der SCE seiner Zeit sogar weit voraus. So lief man als erster Verein Schleswig-Holsteins mit Trikotwerbung auf („Kaufhaus Nessler“) und verpflichtete mit Ben Kusi einen Nationalspieler aus dem westafrikanischen Ghana, der in der Kate von Vorsitzender Martin Fründ wohnte und eine echte Attraktion für Elmenhorst darstellte.

Die Hinserie 1970/71 sah den SC Elmenhorst auch im schleswig-holsteinischen Oberhaus in die Spitzengruppe stürmen. Nachdem selbst Vorjahrsmeister Rendsburger TSV mit 2:1 geschlagen worden war, ließ es sich auch Verbandstrainer Merkle nicht nehmen, die „Wunderelf“ mal persönlich unter die Lupe zu nehmen. In der Rückrunde jedoch war die Luft raus, und der SCE stürzte in den Abstiegskampf. Am Ende musste man gemeinsam mit Regionalligist Itzehoer SV zittern. Erst als der seinen Zweitligastatus gesichert hatte, durfte auch Elmenhorst in der Landesliga verbleiben.

1972/73 endete das „Wunder Elmenhorst“. Obwohl Aufstiegscoach Tröndle zurückgekehrt war, musste die Dorfelf den Abstieg hinnehmen. Einige Leistungsträger, die der SCE zuvor von auswärts verpflichtet hatte, waren zu besser zahlenden Konkurrenten gewechselt. Das daraufhin mit Akteuren aus der in der A-Klasse aktiven zweiten Mannschaft aufgestockte Team war 1974/75 auch in der Verbandsliga Süd chancenlos, und nach insgesamt fünf Abstiegen in Folge fand sich Elmenhorst bald in der A-Klasse wieder. Da, wo einst alles begonnen hatte.

Der Ruf des „Alsenborn des Nordens“ aber blieb. Bis heute.

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