Dienstag, 15. Oktober 2013

Alle Tassen im Schrank? Kickers Offenbach


"Zusamme schaffe mers", haben die Kickers aus Offenbach auf diese aus dem (ich glaube) Jahr 1997 stammende Tasse drucken lassen - ein Slogan, der derzeit mal wieder hochaktuell ist. Zusammen aus dem Schlamassel kommen, damit hat man in Offenbach zwar reichlich Erfahrung, doch diesmal scheint die Lage ein wenig vertrackter zu sein. Der legendäre OFC-Geist ist angeschlagen. Beim Derby gegen die U23 der Eintracht kam es üblen rassistischen Ausfällen einiger "Fans", das heißersehnte neue Stadion erweist sich als finanzieller Klotz am Bein und mit dem Absturz in die Regionalliga Südwest steht man auch sportlich mal wieder mit dem Rücken zur Wand.

Gestern Abend nun kam es zum Hessenderby gegen den KSV Hessen, mit dem man einst in der 2. Bundesliga die Klingen kreuzte. Ich war einige Male im Auestadion und "genoß" die aufgeheizte Atmosphäre, die mit diesem Derby einher ging - vor allem von Kasseler Seite ist man auf Offenbach ja nicht allzu gut zu sprechen.

Mein erstes OFC-Spiel aber sah ich am 5. Juni 1981. Damals fand auf dem Bieberer Berg der Aufstiegsthriller gegen Eintracht Braunschweig statt, und als sich ein Freund aus Braunschweig mit Platz im Auto und überflüssigem Ticket meldete, war ich natürlich dabei. In Offenbach herrschte eine wahrlich elektrische Stimmung, die schon im Stadionumfeld zu spüren war (im Gegensatz zu meinem Freund, der blaugelb trug, konnte ich als "Zivilist" immerhin halbwegs unbehelligt zum Eingang gelangen), und die sich im Stadion derart verdichtete, wie ich es nie zuvor erlebt hatte. Der Bieberer Berg war damals bekannt für seine tollen Fahnenparaden und intensiven Konfettiregen, die anlässlich der Dramatik und Bedeutung des Spiels um einiges intensiver ausfühlen und mich restlos begeisterten. (in diesem Zusammenhang: heutige Sicherheitsbeauftragte würden vermutlich einen Herzkasper bekommen, würden sie sehen, WIE eng wir damals auf den Rängen gestanden haben...!)

Braunschweig verlor mit 0:1, doch wir waren uns einig, dass im Rückspiel noch ein Wende möglich sein würde. Außerdem waren wir uns einig, nie zuvor eine derartige Stimmung in einem Fußballstadion erlebt zu haben. Fünf Tage später fuhr ich natürlich zum Rückspiel nach Braunschweig, und auch wenn das Eintracht-Stadion schon durch seine Architektur eigentlich gar nicht zu einer "Hölle" wie das reine Fußballstadion Bieberer Berg werden kann, war die Atmosphäre abermals unglaublich dicht und konzentriert. Auch als "Neutraler" wurde ich völlig mitgerissen, zumal die Eintracht kurz nach dem Seitenwechsel mit einem Doppelschlag zwei Treffer markierte.

Am Ende stieg Braunschweig auf, blieb Offenbach in der Zweiten Liga, und irgendwie kamen die Kickers danach nicht mehr so richtig in die Spur. 1983/84 ein letztes Mal im Oberhaus dabei, fand man sich nur zwei Jahre später erstmals in der Hessenliga wieder, wo eine lange Leidenszeit begann. Was blieb, war der enorme Rückhalt der Fans, den ich damals recht nah miterlebte, weil wir mit unserem Göttingen 05 Fanzine "Der Schlafende Riese" im ständigen Kontakt mit den Machern des legendären "Erwin" standen. Dass der nun zur Saison 2013/14 eine Wiedergeburt feiern konnte, mag dann vielleicht als Hoffnungsschimmer für den OFC interpretiert werden.

Denn nicht vergessen Offenbach: "Zusamme schaffe mers"!



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