Dienstag, 29. Oktober 2013

Alle Tassen im Schrank? Stahl Brandenburg

Mein heutiger Tassenpost ist zunächst eine Respektbekundung an jemanden, der gerade eine weitere wilde Groundhopping-Tour beendet hat, und dem dieser Eintrag vermutlich gemischte Gefühle bereiten wird.

Denn Stahl Brandenburg, ein Klassiker aus der DDR-Oberliga, hat seinen Fans in den letzten 20 Jahren einiges abverlangt. Jörg Pochert, über dessen Buch Ayia Napa! ich kürzlich hier berichtete, und dem dieser Post gewidmet sein soll, wird da sicher einiges zu erzählen können.

Ich erinnere mich noch gut an meinen ersten Besuch im Stadion am Quenz irgendwann Mitte der 1990er, der ein wahrlich hautnaher Ausflug in die DDR-Vergangenheit war. Die imposante Anzeigetafel, die ostblocktypische Architektur (inkl. Einbettung in die Umgebung), der wuchtige "Stahl Feuer!"-Klassiker der Fans - das war ein Stadion mit Charakter und "Charme", das war ein Klub mit Authentizität!

Sportlich wie wirtschaftlich gelang es bekanntlich nicht, das Erbe der BSG Stahl aus DDR-Zeiten (1984 in die Oberliga aufgestiegen, 1987 für den UEFA-Cup qualifiziert, Zuschauerhochburg in den letzten DDR-Tagen), allzu weit über die Nachwendezeit zu retten. 1991/92 reichte es noch für ein Jahr in der gesamtdeutschen 2. Bundesliga, doch schon da gab es nach einem gutem Start voller Optimismus in der Rückrunde einen katastrophalen Einbruch. 1996 fand sich Stahl bereits in der Verbandsliga wieder, zog Lokalrivale BSC Süd 05 an den Blau-Weißen vorbei.

Der übliche Mix aus Mißwirtschaft, Streitigkeiten, Eitelkeiten und einem übersichtlichen Sponsorenpool führte 2006 schließlich zum Super-Gau, dem Abstieg in die Landesliga, wo plötzlich Gegner wie die Prignitzer Kuckuck Kickers am Quenz aufliefen. Zuvor hatte die streitbare und treue Stahl-Fangemeinde den quasi schon besiegelten Zusammenschluss mit dem BSC Süd 05 verhindert und damit die Identität ihres Vereins gewahrt.

Seit 2009 ist Stahl nun immerhin wieder in der Brandenburg-Liga am Ball, und auch wenn die Zeit ihre Spuren hinterlassen hat, heißt es noch immer "Stahl Feuer!"






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