Freitag, 26. November 2010

Dorfklub auf dem Höhenflug: US Luzenac

Meine Guingampais haben es heute Abend in der dritthöchsten französischen Liga "National" mit einem echten Dorfklub zu tun: US Luzenac.

Luzenac ist eine wohlwollend 600 Köpfe zählende Gemeinde mitten in den Pyrenäen. Sie liegt etwa 10 Kilometer westlich von Ax-les-Thermes im Département Ariège. Ax-les-Thermes ist das französische Zugangstor zum Zwergstaat Andorra. Die nächste größere Stadt ist Toulouse, das etwa 100 Kilometer weiter westlich liegt.
Der Klub wurde 1936 gegründet und trägt seit 1992 seinen heutigen Namen Union Sportive Luzenac. Im Volksmund werden die Blau-Roten auch "Talcs" genannt, womit zugleich die Erklärung für die sportlichen Erfolge der Kicker aus der kleinsten Gemeinde im französischen Halbprofifußball geliefert wird: In der Region wird Talk abgebaut, und in Luzenac steht mit "Talc de Luzenac" eine Talkfabrik, deren Betreiber den Fußballklub nach Kräften unterstützen. Das Unternehmen zählt zu den weltweit größten Förderern des Minerals und gehört zur Rio Tinto Gruppe. Rund 300 Arbeitsplätze sind in Luzenac direkt mit dem Kalkabbau verbunden. Gründungsname des Vereins war im Übrigen Union Sportive des Talcs de Luzenac.
Zugleich steht der Verein aber zu seinen "provinziellen" Wurzeln und weist im Wappen einen Hirschen vor einer Hochgebirgssilhouette auf. Die US Luzenac spielt im Stade Paul-Fédou, das eine Kapazität von 1.200 Plätzen aufweist und über eine kleine Sitzplatztribüne verfügt. Paul Fédou war einst Chef der örtlichen Talkfabrik.
Ich persönlich kenne die Gegend ausschließlich durch die Tour de France, die regelmäßig dort unten gastiert, sowie eigene Radfahrerlebnisse.
2009 gelang der USL zum zweiten Mal nach 1980 der Aufstieg in die dritthöchste Spielklasse. Ungleich des ersten Anlaufs, der im sofortigen Wiederrabstieg endete, gelang diesmal die Etablierung. Das ist umso bemerkenswerter, als die "National" (3. Liga) inzwischen landesweit ist und den kleinen Klub vor enorme administrative und infrastrukturelle Herausforderung stellt. Zudem verfügt die USL über den geringsten Etat aller französischen Drittligisten - ganze 900.000 Euro stehen dem Verein pro Saison zur Verfügung.
In der letzten Saison wurde Luzenac sensationell Zehnter und machte abseits des Spielfeldes Furore, weil die winterlichen Verhältnisse in den Pyrenäen bis weit in den April hinein immer wieder zu Spielausfällen führten. In der Saison 2010/11 legte die Mannschaft von Trainer Christophe Pélissier einen Blitzstart hin und führte die Tabelle wochenlang an. Inzwischen ist man ins gehobene Mittelfeld zurückgefallen (gegenwärtig Achter), was für den Miniklub dennoch einen herausragenden Erfolg darstellt.
http://www.usluzenac.info/

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