Dienstag, 16. November 2010

Europas Traditionsvereine: Shamrock Rovers

Heute mal aus dem ersten Band der Weltfußballenzyklopädie ein Verein aus Irland, der große Tage hinter sich und schwere Tage vor sich hat: Shamrock Rovers Dublin.

Mit Abstand beliebtester und erfolgreichster Klub des Landes. Die im innerstädtischen Stadtvier­tel Ringsend lebenden Gründer stammten aus katholischem Umfeld und orientierten sich an den Belfast Celtics, deren grün-weiß gestreiftes Spielkleid (»Hoops«) sie übernahmen.
Der Klubname verwies auf die Shamrock Avenue, an der der erste Klubraum lag. Der Begriff Shamrock bezieht sich auf eine Kleesorte, die der heilige St. Patrick benutzte, um die Bedeutung der Dreifaltigkeit darzustellen. Mit 15 Landesmeisterschaften und 24 Cup-Siegen sind die »Hoops« Nummer eins in der Republik Irland.
Nach einer ersten »goldenen Ära« in den frühen 1930er Jahren entstand in den 1960er Jahren unter Führung von Spielertrainer Paddy Coad ein Team, das als »Coad‘s Colts« in die Annalen einging und von 1964-69 sechsmal in Folge Pokalsieger wurde. 1967 spielte der Klub zudem als »Boston Rovers« für ein Jahr in der neugegründeten North American Soccer League. Als 1972 die einflussreiche Familie Kilcoyne die Führung übernahm und die Umwandlung des Klubs in einen Ausbildungsverein ankündigte, gerieten die Rovers (»Piraten«) in schwere Turbulenzen.
Erst Mitte der 1980er Jahre erholten sie sich wieder und errangen unter Pat Byrne dreimal in Folge das Double (1985-87). Als die Kilcoynes jedoch 1987 völlig überraschend den in Milltown gelegenen Glenmalure Park verkauften, weil es wiederholt zu Problemen mit einer benachbarten Jesuitengemeinde gekommen war, brachen erneut schwere Tage an. Zunächst im Tolka Park vom Erzrivalen Shelbourne auflaufend, stürzte der langjährige Zuschauerzuspruch von rund 20.000 binnen kurzem dramatisch ab, während ein hartnäckiger Fanboykott die inzwischen verhasste Kilcoyne-Familie aus dem Verein drängte. 1990 zogen die »Hoops« in die für Fußball nur bedingt geeigneten Royal Dublin Society Showgrounds nach Ballsbridge, wo sie 1994 ihre 15. und bislang letzte Meisterschaft errangen.
Weil der geplante Stadionbau in der Rovers-Hochburg Tallaght im Süden Dublins wegen Streitigkeiten mit der Gaelic Athletic Association immer wieder verschoben werden musste, geriet der zwischen dem Tolka Park und dem Morton Municipal Stadium in Santry pendelnde Klub in ernsthafte wirtschaftliche Schwierigkeiten. Der Tiefpunkt wurde 2005 erreicht, als die Shamrock Rovers erstmals aus der League of Ireland absteigen mussten. Einem aus engagierten Fans und Gönnern bestehenden Konsortium gelang anschließend die wirtschaftliche Rettung, der die sofortige Rückkehr ins Oberhaus folgte.
20 Jahre nach ihrem Auszug aus dem Glenmalure Park sind die Shamrock Rovers jedoch noch immer heimatlos.

Dieser Beitrag stammt aus der Fußballweltenzyklopädie, Band 1 (Europa und Asien). Verlag Die Werkstatt, ISBN: 978-3895335761, 448 Seiten, 39,90 €

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