Dienstag, 2. November 2010

Insolvenzticker: Preußen Hameln

Mit Preußen Hameln hat es in diesem Herbst noch einen weiteren Traditionsverein erwischt. Nachdem der Klub aus der Rattenfängerstadt seine Ligaelf nach dem Abstieg aus der Oberliga bereits am 7. September nach nur fünf Spielen aus der Landesliga Hannover zurückgezogen hatte, musste zwei Wochen später auch die in der Leistungsklasse angetretene "Reserve" aus dem Spielbetrieb genommen werden.
Die SpVgg Preußen 07 Hameln, entstanden über eine ganze Reihe von Fusionen, ist nunmehr der Geschichte geweiht. Der überschuldete Verein gilt als "unrettbar" und soll abgewickelt werden. Am Ende fehlten 25.000 Euro, die trotz massiver Mobilmachung der Fans, der Stadt und der Sponsoren nicht zusammenkamen. Mit dem FC Preußen Hameln hat sich bereits ein Nachfolgeverein gebidlet, der die 103jährige Preußen-Historie übernehmen will.
Auf der Vereinshomepage, die die Entwicklung des Klubs ausgezeichnet dokumentiert (http://www.preussen07.de/die_lage.html) heißt es diesbezüglich:
"Das wird alle Preußen Fans freuen: Die Tradition des erfolgreichsten Fußballvereins unserer Stadt bleibt erhalten. Thomas Stöck, Wolfram Wittkopp, Bernd Schoster, Rainer Wachsmuth, Johannes Nüss, Dirk Knoche und Jens-Thilo Nietsch gründeten am Mittwoch (6. Oktober) den Verein, der die Erinnerung an glanzvolle Fußballzeiten erhalten soll, dessen sportliche Tätigkeit aber vor allem auf die Jugendarbeit ausgerichtet ist. Zum Vorsitzenden wählte das Gründungsteam Wolfram Wittkopp. Alle derzeit noch für die Spvgg. Preußen Hameln aktiven Teams sollen für den FC am Ball bleiben. Das gilt auch für die Altherren- Mannschaft und die Ü40".

Zur Geschichte des Klubs, der einst in der dritthöchsten Spielklasse dabei war und Hamelns Fußball über viele Jahrzehnte dominierte, das Kapitel über die Preßen aus meinem "Das große Buch der deutschen Fußballvereine".

Die Rattenfängerstadt Hameln gilt als Handballhochburg und kann im Fußball nur wenig Erfolg vorweisen. Die SpVgg Preußen 07, ein über mehrere Fusionsschritte entstandener Großverein, konnte sich zwar nach ihrer Gründung im Jahr 1949 in der höchsten Amateurklasse Niedersachsens etablieren, verpasste aber nach Gründung der Bundes- und Regionalliga den Anschluss. Erst Anfang der 1970er Jahre spielten sich die Blau-Weiß-Roten wieder ins überregionale Blickfeld und träumten, angeführt von Präsident Heinz Mensing und Trainer Willi Schleich, in der Amateuroberliga Nord vom Aufstieg in die 2. Bundesliga. Kurzzeitig verwandelte sich Hameln damals in eine Fußballhochburg. Auf ihrem Höhepunkt verpassten die Preußen 1977 gegen die SV Arminia Gütersloh die Qualifikation zur Zweitligaaufstiegsrunde. 1981 endete der Hamelner Zweitligatraum im Abstieg, und es begannen turbulente Jahre. 1993/94 erreichte man noch einmal die Drittklassigkeit, ehe 700.000 DM Schulden 1999 zum Neubeginn in der Kreisliga zwangen. Mit Gustav Hörgren und Ludwig Pöhler brachte Hameln im Übrigen zwei Deutsche Meister hervor: Hörgren errang 1926 mit der SpVgg Fürth die „Viktoria“, Pöhler zählte 1938 mit Hannover 96 zum Siegerteam. Beide stammten aus der 07-Urzelle Saxonia Hameln.
 DATEN Spielvereinigung Preußen Hameln 07 e.V. Anschrift Tönebönweg 4, 31789 Hameln. Telefon 05151-9949526. Internet www.preussen07.de. Verband Nord/Niedersachsen. Farben Blau-Weiß-Rot. Kleidung blau, weiß, rot  GESCHICHTE 27.5.1907 Gründung FC Saxonia 1907 Hameln. 1928 Fusion mit Hamelner Spielvereinigung 1910 (entstand 1925 durch Fusion zwischen SC Borussia 1913 Hameln und FC Olympia 1910 Hameln) = Hamelner Sportvereinigung Saxonia 1907. Juni 1946 Fusion mit FC Olympia 1945 Hameln = SpVgg Hameln 07. 21.4.1949 Fusion mit SC Preußen 1912 Hameln (1912 gegründet als VfB 1912 Hameln. 1921 Fusion mit SC Preußen 1920 Hameln = VfB Preußen 1912 Hameln. 29.3.1928 Fusion mit SC Grün-Weiß 1926 Hameln [1926 als Abspaltung vom FC Saxonia Hameln entstanden] = VfB Preußen Grün-Weiß 1912 Hameln. 8.7.1933 SC Preußen 1912 Hameln) = SpVgg Preußen 07 Hameln  STADION Weserberglandstadion (8.000/2001). Platz genug für hochklassigen Fußball wäre da. Eine schmucke Tribüne und reichlich Stehtraversen warten in Hameln auf die Rückkehr zu „goldenen Tagen“.

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