Samstag, 13. November 2010

Finale der afrikanischen Champions League: Espérance Tunis

Heute steht in Tunis das Rückspiel in der afrikanischen Champions League zwischen Espérance Tunis und TP Mazembe Lubumbashi aus der DR Kongo an. Sportlich dürfte die Sache klar sein - Mazembe gewann das Hinspiel mit 5:0 und ist mit ziemlicher Sicherheit der neue Afrikameister (zur Situation bei Mazembe siehe: http://news.bbc.co.uk/sport2/hi/football/africa/9176351.stm).


Mir gibt das Spiel die Gelegenheit, den Gegner aus Tunesien vorzustellen. Ein Verein mit spannender Geschichte, die zeigt, dass Fußball und Politik nicht immer klar zu trennen sind. Nachstehend das Klubporträt aus meiner Weltfußballenzyklopädie Amerika, Afrika & Ozeanien.

Espérance Sportive Tunis
Tunesiens Vorzeigeklub und zu Kolonialzeiten einer der Bannerträger der arabischen Nationalbewegung. Gegründet am 15. Januar 1919, war Espérance (»Hoffnung«, der Name erinnert an das Gründungslokal »Café de l‘Espérance«) der erste arabische Klub in Tunesien und dem gesamten Maghreb. Die »Sang et Or« (»Blutroten und Goldenen«) sind im Altstadtviertel Bab Souika ansässig und galten in den 1920er Jahren durch viele zugleich in der Unabhängigkeitsbewegung aktive Mitglieder als fußballspielender Arm der tunesischen Nationalbewegung. Aufgrund französischer Ressentiments wurde der Klub erst 1936 in die Division d‘Honneur aufgenommen und erreichte im selben Jahr erstmals das Pokalfinale, das er gegen Stade Gaulois verlor. 1939 errang »EST« an selber Stelle mit einem 3:1 über ESS Sousse seine erste Trophäe. Im Zweiten Weltkrieg etablierten sich die Rot-Gelben vollends im europäisch geprägten Fußball Tunesiens und gewannen von 1959-60 mit einem von Torjäger Abdelmajid Tlemçani geprägten spektakulärem Angriffsfußball zwei weitere Meistertitel. Nach einer längeren Durststrecke konnte der landesweit beliebte Klubs erst 1970 an die Spitze zurückkehren und mit einer von den Ausnahmetalenten Tarak Dhiab und Témime Lahzami bestückten Elf drei weitere Meisterschaften bejubeln. 1989 übernahm mit Slim Chiboub der Schwiegersohn von Staatspräsident Ben Ali die Vereinsführung und führte Espérance in ein neues Zeitalter. Mit einer modernisierten Infrastruktur und finanzkräften Partnern im Rücken sicherten sich die Rot-Gelben 1994 die afrikanische Landesmeisterschaft, 1997 den CAF-Cup und 1998 den Pokal der Pokalsieger. 1999 und 2000 unterlagen sie im Landesmeisterwettbewerb jeweils im Finale. National dominierte »EST« zwischen 1998 und 2004 mit sieben Meisterschaften in Folge den Spielbetrieb und ist mit 20 Titeln und 13 Pokalerfolgen Tunesiens Rekordhalter. »Les Espérantistes« verfügen über eine moderne Infrastruktur mitsamt Hotel und Fußballschule, sie sind fest in der Wirtschaft und der Politik des Landes verankert und sie können sich auf eine treue Anhängerschaft verlassen.

Dieser Beitrag stammt aus der Fußballweltenzyklopädie, Band 2 (Afrika, Amerika und Ozeanien). Verlag Die Werkstatt, ISBN: 978-389533640-9, 472 Seiten, 39,90 €

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